Warum Optimisten länger leben
EIN EBENSO STEINREICHER wie spirituell gesinnter Forschungsmäzen hat seine Lieblingswissenschaftler zum Gedankenaustausch in einen Jachtclub auf jene Insel der Bahamas geladen, wo einst James Bond den Bösewicht Dr. No bekämpfte. Als der erste Redner, ein bekannter Evolutionsbiologe, sich als Atheist outet, flüstert im Publikum der Glückspsychologe Mihaly Csikszentmihalyi: Das hätten Sie nicht sagen sollen, Nummer Vier. Heute Nacht schlafen Sie bei den Fischen. In dieser Gefahr schwebt Martin Seligman, der die Episode in seinem neuen Buch erzählt, nicht. Der Glücks- Faktor ist dem einst hartgesottenen Tierexperimentator und Depressionsforscher gegen Schluss zum Flirt mit der Transzendenz geraten. Er predigt das tugendhafte Leben, das Glück bringt, Sinn stiftet und am Ende vielleicht sogar heilig ist. Bis dahin hat der prominente Psychologe aber auch den fischfuttertauglichen Ungläubigen viel zu bieten. Er präsentiert einen lebendig geschriebenen Überblick über die Psychologie des Glücks und entwickelt eine mutige eigene Theorie: Champagner schlürfen und Porsche fahren machen Spaß doch dauerhaftes Glück erfährt nur, wer ein tugendhaftes Leben führt. Die Tugenden sind dabei die gleichen wie von den Altvorderen in vielen Kulturen gelehrt Mäßigung etwa in Selbstkontrolle, Klugheit und Bescheidenheit. Seligman erteilt viele Ratschläge, die allerdings häufig mehr auf persönlichen Erfahrungen als auf exakter Forschung basieren.
Jochen Paulus





