Das Gespräch führte MARTIN W. ANGLER
Herr Professor Puta, warum sind die Muskeln mancher Menschen nach einem überstandenen Infekt nicht mehr belastbar?
Weil die Muskeln nicht mehr genügend Sauerstoff erhalten. Es mehren sich zum einen die Hinweise auf Mikrogerinnsel, die den Blutfluss stören. Noch wichtiger könnten zum anderen beschädigte rote Blutkörperchen sein. Bei gesunden Menschen sind sie glatt geformt und sehen aus wie Weingummis. Bei Patienten nach einer SARS-CoV-2-Infektion sind sie regelrecht ausgefranst. Dann transportieren die Blutkörperchen zwar immer noch Sauerstoff, aber wegen der Deformationen kommen sie nicht mehr überall hin. Hinzu kommt, dass sie den Sauerstoff stärker an sich binden und nicht mehr oder nur in geringem Maße an die Muskeln abgeben.
Inwiefern schadet das den Muskeln?
Der Schaden entsteht indirekt. In allen Zellen befinden sich kleine Kraftwerke, die Mitochondrien. Wenn ein gesunder Muskel beansprucht ist, braucht er etwa 40-mal mehr Blut als in Ruhe. Die Mitochondrien können auf zwei Wegen Energie produzieren, je nach Belastung. Entweder der Muskel ist nur kurz beansprucht, so wie beim Aufstehen, dann laufen die Kraftwerke zunächst ohne Sauerstoff. Oder aber der Muskel ist kontinuierlich belastet, so wie beim Spazierengehen, dann benötigt er Sauerstoff und beispielsweise Zucker als Input, um Energie zu gewinnen.
Ohne Sauerstoff können die Kraftwerke also ihren Treibstoff nicht richtig verbrennen. Was passiert dann?
Die Mitochondrien können ohne Sauerstoff nur etwa sechs Prozent der Energie erzeugen, die mit Sauerstoff möglich wäre. Das heißt erstmal, dass Muskeln dann weniger leisten. Außerdem produzieren die Mitochondrien ohne Sauerstoff mehrere Abfallprodukte, die für den Muskel schädlich sind. Dazu gehört das Salz der Milchsäure, das wieder abgebaut werden muss.
Wie baut der Körper diese Stoffe ab?
Dafür benötigt er ebenfalls die Mitochondrien. Und als Müllabfuhr brauchen diese zwingend Sauerstoff. Fehlt dieser, bleiben Abfallstoffe wie Laktat und Kalzium nach einer starken Belastung im Muskel liegen und schädigen ihn langfristig. Inwiefern unter der Überbelastung auch die Mitochondrien selbst leiden, wissen wir noch nicht genau. Fest steht aber: In diesem Modus funktionieren sie nicht mehr richtig.





