Wenn es um die Partnersuche geht, spielen nonverbale Signale eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie das, was wir sagen. Schon beim ersten Anblick unseres Gegenübers erfassen wir blitzschnell Merkmale wie die Gesichtsform, Blickrichtung und Pupillenweite und den Gesichtsausdruck. Innerhalb weniger Millisekunden bilden wir uns dadurch einen ersten Eindruck. “Solche nonverbalen Signale sind besonders in der modernen Dating-Landschaft wichtig, in der ein erster Kontakt oft nur wenige Minuten dauert, wie beim Speed-Dating, oder sogar nur Sekunden, wie beim Betrachten eines Profilfotos in einem Dating-Portal”, erklären Tanya Vacharkulksemsuk von der University of California in Berkeley und ihre Kollegen. Immerhin sei der Kontakt durch Online-Dating heute schon der zweithäufigste Weg, um einen neuen Partner kennenzulernen. Die Forscher haben deshalb eine Form nonverbaler Signale untersucht, die in der Wissenschaft bisher eher vernachlässigt wurde: die Körperhaltung. Im Speziellen wollten sie wissen, welchen Einfluss eine offene, gestreckte oder eine enge, in sich geschlossene Position auf die wahrgenommene Attraktivität und die Dating-Chancen hat.
Für ihre Studie führten die Wissenschaftler zwei Experimente durch. Im ersten filmten sie 144 Männer und Frauen bei einem echten Speed-Dating. Jeder Teilnehmer hatte vier Minuten Zeit, um sich ein Urteil über sein Gegenüber zu bilden und ihm ein “Ja” oder ein “Nein” zu geben. Zudem wurden sie im Anschluss gebeten, ihren jeweiligen Partner in puncto Attraktivität, Dominanz, Wärme, Intelligenz und geschätztem wirtschaftlichen Erfolg zu bewerten und ihren Grad an Anziehung anzugeben. Das Ergebnis: Nahm ein Teilnehmer eine offene, expansive Haltung ein, dann erhöhte dies seine Chance, ein “Ja” zu bekommen enorm, wie die Forscher berichten. Diese Frauen und Männer erhielten von ihren Gegenübern höhere Bewertungen in Attraktivität, Dominanz und den geschätzten Verdienstchancen. Sie wirkten zudem anziehender auf ihre Dating-Partner. Dies spricht dafür, dass die Haltung tatsächlich eine wichtige Rolle spielt. Allerdings: “Es bleibt hier unklar, ob die Speed-Dating-Teilnehmer eine offene Haltung einnehmen, weil sie sich gemocht fühlen, oder ob sie gemocht werden, weil sie diese Haltung einnehmen”, erklären die Forscher.
Mehr Erfolg durch selbstbewusste Pose
Um Ursache und Wirkung eindeutiger zu trennen, führten Vacharkulksemsuk und ihre Kollegen daher ein weiteres Experiment durch – diesmal im Online-Dating. Dafür fotografierten sie sechs Personen einmal in gestreckten Haltungen, einmal in geschlossenen und erstellten für jede auf dieser Basis zwei verschiedene Profile. Anschließend werteten sie die Reaktionen von knapp 3.000 Nutzern der Dating-App aus, die diese Profile angeschaut und entweder positiv oder negativ bewertet hatten. Das Ergebnis: Wieder hatten die Profile mit der ausgebreiteten Haltung die Nase vorn. Für jeden zusätzlichen Grad der Gestrecktheit heimsten die Profilfotos 27 Prozent mehr “Ja”-Stimmen ein – selbst wenn die gleiche Person zu sehen war. Nach Ansicht der Forscher bestätigt dies den Verdacht, dass die nonverbalen Signale der Körperposition beim Dating entscheidend wichtig sein können – wichtiger als manche anderen Eigenschaften.





