Doch auf den ersten Blick scheint es falsch zu sein. Es ist ja viel mehr Materie unter unseren Füßen als über unserem Kopf, und auch mehr Materie in der Milchstraße als um die Milchstraße herum. Aber das ist schon in Ordnung: Das Kosmologische Prinzip muss nur gelten, wenn man über große Abstände mittelt, Kosmologen zufolge ab etwa 300 Millionen Lichtjahren.
Allerdings wurden seit Anfang der 1990er-Jahre einige Materieanhäufungen entdeckt, die schlecht zum Standardmodell passen. Da ist zum Beispiel der 1991 erstmals beobachtete Clowes-Campusano-Quasarhaufen, eine Ansammlung von 34 Quasaren, die sich etwa 9,5 Milliarden Lichtjahren entfernt von uns über einen Bereich von zwei Milliarden Lichtjahren verteilen.
Quasare sind supermassive Schwarze Löcher in Galaxienzentren, die Materie in ihrer Umgebung verschlingen und dabei enorme Mengen an Strahlung abgeben. Sie sind deshalb selbst weit entfernt noch gut sichtbar. Das Problem ist: Sie sollten dem Standardmodell zufolge nicht so gehäuft vorkommen. Wie wahrscheinlich es ist, dass solche Materieanhäufungen auftreten, lässt sich aber nicht genau sagen. Es kann zufällig passieren. Deshalb haben sich Kosmologen vor 30 Jahren über diesen Quasarhaufen nicht den Kopf zerbrochen.
Doch wir kennen inzwischen weitere solcher Riesenstrukturen – zum Beispiel seit 2003 die Große Mauer, eine Ansammlung von Galaxien, die sich in einer Entfernung von etwa einer Milliarde Lichtjahren über einem Bereich von 1,5 Milliarden Lichtjahren erstreckt. 2012 fanden Astronomen die Quasargruppe U1.27 mit 73 Quasaren, die sich in einem Bereich von vier Milliarden Lichtjahren klumpen. Und erst im Juni dieses Jahres hat die Doktorandin Alexia Lopez von der University of Central Lancashire in Großbritannien den Gigantischen Bogen entdeckt. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung von Galaxien, Galaxienhaufen, Gas und Staub, die sich über drei Milliarden Lichtjahre erstreckt.
Eigentlich dürfte es diese Strukturen nicht geben. Nur ein oder zwei könnte man vielleicht als Zufall abtun. Dazu kommt: Auch von der kosmischen Hintergrundstrahlung ist schon seit 20 Jahren bekannt, dass die Verteilung auf großen Skalen nicht gut zum Standardmodell passt.
Ein Rest aus der Urzeit
Die kosmische Hintergrundstrahlung ist vom frühen Universum übriggeblieben. Als die Ausdehnung des Universums die Materie ausreichend gekühlt hatte, konnten sich Elektronen an Atomkerne binden. Und als das passierte, wurde es sehr viel einfacher für elektromagnetische Strahlung, weite Strecken ungestört zurückzulegen. Die Strahlung von damals wurde mit der fortschreitenden Ausdehnung des Universums zu größeren Wellenlängen gedehnt, sie wurde also kälter. Wir messen heute eine Temperatur von durchschnittlich 2,7 Kelvin.





