Todesursache Lungenembolie: Eine Coronavirus-Infektion kann offenbar das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln erhöhen, geht aus Obduktionsergebnissen hervor. Forscher haben bei in Deutschland verstorbenen Covid-19 Patienten überraschend häufig tiefe Venenthrombosen sowie Lungenembolien festgestellt. Offenbar kann diese Erkrankung demnach mit einer gestörten Blutgerinnung verknüpft sein. Welche Faktoren genau dafür verantwortlich sind, ist allerdings noch unklar. Möglicherweise könnte aber eine präventive Behandlung mit Blutverdünnern sinnvoll sein, sagen die Wissenschaftler.
Für ihre Studie rekonstruierten sie die Krankheitsverläufe, erfassten Begleiterkrankungen und ermittelten durch Analysen verschiedener Organe und Gewebe bei der Obduktion die konkreten Todesursachen. Wie stark das Virus in diesen zwölf Patienten gewütet hatte, verdeutlichten zunächst die virologischen Tests: Bei allen untersuchten Patienten wurde Sars-CoV-2-Erbgut in der Lunge in hohen Konzentrationen nachgewiesen. Bei ungefähr der Hälfte der untersuchten Toten fand sich das Virus auch im Blut sowie in hohen Konzentrationen in Leber, Niere oder im Herz.
Thrombosen und Lungenembolien
Wie die Wissenschaftler berichten, lagen bei einem Großteil der zwölf Patienten die Begleiterkrankungen vor, die als wichtige Risikofaktoren im Zusammenhang mit schweren Verläufen von Covid-19 bekannt sind, darunter koronare Herzerkrankungen oder die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Überraschend waren allerdings die weiteren Befunde. Die Autopsie offenbarte bei sieben der zwölf Patienten eine zuvor unerkannte venöse Thromboembolie: Es hatte sich in einer tieffliegenden Vene ein Blutgerinnsel (Thrombus) gebildet. Bei vier Patienten war zudem eine Lungenembolie die direkte Todesursache, zeigten die Untersuchungen. Das bedeutet: Ein Pfropfen hatte sich von einem Gerinnsel gelöst, war in die Lunge gewandert und hatte dort ein Gefäß verstopft.
„Wir konnten in der Obduktion der ersten zwölf Verstorbenen nachweisen, dass eine unerwartet hohe Rate an tödlichen Lungenembolien bestand, zusätzlich hatten mehr als die Hälfte der Patienten Thrombosen der Beinvenen“, resümiert Co-Autor Jan Sperhake.
Diese Häufung von Blutgerinnseln bestätigt damit die möglicherweise wichtige Rolle einer Gerinnungsstörung bei Covid-19-Patienten. Welche Faktoren dafür genau verantwortlich sind, muss allerdings noch geklärt werden.
Dennoch geben die Ergebnisse bereits Hinweise auf mögliche Verbesserungsmaßnahmen bei der Behandlung von Covid-19-Patienten, betonen die Wissenschaftler: „Wir denken darüber nach, ob diese Patienten nach individueller Risikoeinschätzung primär mit einem Blutverdünnungsmittel behandelt werden sollten, um künftig Thrombosen und Lungenembolien zu vermeiden“, sagt Co-Autor Dominic Wichmann. Voraussetzung dafür seien allerdings weitere Untersuchungen. „Um einen Nutzen für Patienten zu zeigen, bedarf es einer größeren randomisierten Studie“, so der Wissenschaftler.





