Wer sich fast täglich mit den Segnungen der Computerindustrie herumplagen muß, schätzt die Kundenfreundlichkeit der Unterhaltungselektroniker. Sie muten uns nicht stundenlange Kämpfe mit Treibern, Schnittstellen und Hardware-Unverträglichkeiten zu. Ein Druck auf den Einschaltknopf und das Gerät funktioniert.
Auch der Casio-Fernseher gibt dem Benutzer keinerlei Rätsel auf. Die drei Mignon-Batterien sind schnell eingelegt. Wenn die Teleskopantenne herausgezogen ist und der Schiebeschalter an der Seite betätigt wurde, beginnt der Sendersuchlauf. Wieviel auf dem Aktiv-Matrix-Flüssigkristall-Display zu sehen ist, hängt ganz vom Aufenthaltsort ab. Schon wenige Zentimeter nach links oder rechts entscheiden über den Empfang und die Bildqualität. Eine Rolle, allerdings keine sehr große, spielt auch die Stellung der Antenne.
Ich habe den Taschen-TV in der Wohnung, in freiem Gelände bei Düsseldorf, in einer Wohnung in Hannover und in verschiedenen Zügen ausprobiert. Erstaunlich gut war der Empfang im ICE bei der Fahrt durch Hamburg. Anderswo im Zug störten Streifen das Bild. Im vierten Stock einer Wohnung der Niedersachsen-Metropole waren fünf Sender klar zu empfangen. Am Rhein waren nicht nur ARD, ZDF, WDR, Sat1, RTL und VOX klar zu empfangen, sondern auch das Programm des Südwestfunks, dessen Sender eigentlich nur Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg abdecken.
Der Strombedarf des lichtstarken Displays, das auch bei Sonneneinstrahlung ein erkennbares Bild liefert, ist freilich hoch. Gute Alkaline-Batterien sollen bis zu fünf Stunden halten, mit einem Akku-Satz kann man dagegen nur etwa zwei Stunden fernsehen. Richtig brillant ist das Bild nur, wenn ein Netzteil verwendet wird. Das Bild zerfällt in kleine Punkte, so daß bei detailreichen Aufnahmen Fantasie gefragt ist, um die fehlende Bildinformation zu ersetzen. Texte und Senderlogos sind dennoch lesbar. Bei schlechtem Empfang wird das Bild schwarzweiß und der Ton rauscht.
Für Sport- und Nachrichtensendungen oder die beiläufige Beobachtung des Programms bei der Schreibtischarbeit ist der kleine Casio sehr gut geeignet. Spielfilme wird man sich mit dem Winzling dagegen sicher nicht anschauen.
Der Preis
Der Taschenfernseher kostet 399 Mark. Dafür gibt es zwar schon kleine Fernsehgeräte mit Röhrenbildschirm. Das Teure an dem TV-Zwerg ist der hochwertige TFT-Bildschirm, der auch die Preise von Edel-Notebooks bestimmt. Für Fernsehfetischisten unentbehrlich: Dieses Taschenfernsehgerät empfängt terrestrische Sender an praktisch allen Örtchen. Der Bildschirm ist zwar klein, aber dennoch recht leuchtstark. Casio bietet für 249 Mark noch ein anderes Modell an, das wegen des einfacheren LCD-Bildschirms aber ein farbschwächeres Bild bietet.
Der Gebrauchswert
Auf Reisen, beim Camping, im Auto auf dem Parkplatz, in der Küche, auf dem Schreibtisch oder im Schrebergarten leistet der Mini-Fernseher gute Dienste und empfängt je nach Standort alle Programme, die über Antenne zu empfangen sind: ARD über UHF und im VHF-Bereich ZDF, SAT 1, RTL, VOX und das regionale dritte Programm. Wertvolle Dienste leistet der EV-510 mit seinem Audio-Video-Eingang auch als Kontrollmonitor eines Camcorders. Der Casio ist kleiner und leichter als ein Walkman, sehr einfach zu bedienen und im Nu einsatzbereit. Den Sendersuchlauf startet man bequem mit dem Daumen. Ein brillantes Bild in natürlichen Farben ist nur mit leistungsfähigen Batterien zu erreichen. Ein Steckernetzteil und ein Autobatterie-Adapter sind zusätzlich lieferbar. Der Ton aus dem winzigen Lautsprecher an der Oberseite könnte etwas heller sein und wird auch mit dem Ohrhörer nicht besser. Die Sprachverständlichkeit leidet darunter jedoch nicht sehr. Wer das Gerät nicht in der Hand will, kann es mit einem aufklappbaren Ständer sicher aufstellen. Auch bei seitlich ausgerichteter Antenne kippt der Mini-TV nicht um.
Die Technik
Kernstück des Taschenfernsehers ist der Dünnfilmtransistor-LCD-Farbbildschirm mit 61.380 Bildpunkten und einer Diagonale von 6,4 Zentimetern. Der auch als Aktivmatrix-LCD bezeichnete Bildschirm, der in größerer Ausführung in die Notebooks der Oberklasse eingebaut wird, ist besonders hell und gibt die Farben kräftig und originalgetreu wieder. Im Gegensatz zu den wesentlich billigeren Passiv-LCD ist das Bild auch von der Seite noch erkennbar.
Die Konkurrenten
Taschenfernseher sind in einem ausgesprochenen Nischenmarkt heimisch. Nur Lenco bietet ein ähnliches Gerät an. Sehr viel teurer ist die TV-Radio-CD-Kombination 4 VCD 660 von Philips (1800 Mark) mit 9,5 cm Diagonale und ein Video8-TV-Recorder von Sony für rund 2500 Mark. Bei Sharp gibt es Camcorder mit Display, die mit einem ansteckbaren Tuner zu einem Fernseher erweitert werden können.
Friedhelm Weidelich





