Ob deutsches Schwarzbrot, französisches Baguette, indisches Chapati oder mexikanische Tortillas: Brot gehört in vielen Regionen der Erde zu den Grundnahrungsmitteln und wurde im Laufe der Geschichte zu unzähligen Sorten variiert. “Das einfachste Brotrezept besteht aus einer Mischung aus Mehl und Wasser, aus dem ein Teig hergestellt wird”, erklären Amaia Arranz-Otaegui von der Universität Kopenhagen und ihre Kollegen. “Dieser Teig kann dann fermentiert oder aber direkt gebacken, gebraten oder über Dampf gegart werden.” Doch trotz der enormen Bedeutung des Brotes für die heutige Küche ist sein Ursprung bisher weitgehend unbekannt. “Funde von frühem Brot in neolithischen Fundstätten in Europa und Südwestasien haben dazu geführt, dass man seine Erfindung unweigerlich mit den ersten landwirtschaftlichen Gemeinschaften verknüpft hat”, so die Forscher. Demnach gab es das erste Brot frühestens vor rund 10.000 Jahren.
Natufien: Als Jäger und Sammler sesshaft wurden
Doch nun zeichnen Funde im Nordosten Jordaniens ein anderes Bild. Schon länger ist bekannt, dass sich in der Levante ein wichtiger Übergang von der nomadischen zur sesshaften Lebensweise abspielte: Gefördert von einer Phase günstigen Klimas, gründeten dort vor rund 14.000 Jahren Angehörige von Jäger-und-Sammler-Kulturen die ersten Siedlungen. Reiche Wildbestände und ausreichend Wildgetreide und andere Pflanzen boten ihnen genügend Nahrung, auch ohne umherziehen zu müssen. “Die Jäger und Sammler der Natufien-Kultur sind für uns besonders spannend”, erklärt Grabungsleiter Tobias Richter von der Universität Kopenhagen. “Denn wegen Funden von sichelförmigen Klingen und Steinmörsern hatten Archäologen schon länger den Verdacht, dass diese Menschen auch die Nahrungspflanzen auf neue Art zu nutzen begannen.”
Eine der ältesten Fundstätten mit Relikten aus der Natufien-Zeit ist Shubayqa 1 im Nordosten Jordaniens. In dieser vor 14.600 bis 11.600 Jahren bewohnten Siedlung wurden die Ruinen von mindestens zwei Gebäuden, sowie zahlreiche Steinwerkzeuge, Tierknochen und Überreste von Pflanzenmaterial gefunden. Was die Menschen dieses Ortes damals speisten, haben die Wissenschaftler nun anhand von Analysen von Nahrungsresten in den beiden Feuerstellen der Siedlung herausgefunden. Besonderes Augenmerk legten sie dabei auf 24 kleine, halbverkohlte Brocken, die nach ersten Analysen vorwiegend aus pflanzlichen Komponenten zu bestehen schienen. Arranz-Otaegui und ihre Kollegen haben nun die Struktur und Zusammensetzung dieser Bröckchen mittels Mikroskopie und chemischen Analysen näher untersucht.
Fladen aus Einkorn, Gerste und Strandsimse
Es zeigte sich: Die halbverkohlten Bröckchen sind Reste urzeitlichen Brotes. Sie bestehen aus Mehl, das mit Wasser zu einem Teig verknetet und dann im Feuer gebacken wurde, wie die Forscher berichten. Erkennen lässt sich dies ihren Angaben nach an charakteristischen Poren in dem Gemisch, deren Größe und Menge für nichtfermentierte Teige typisch ist. “Diese Brotreste sind dem ungesäuerten Brot sehr ähnlich, die man in neolithischen Fundstätten in Europa und der Türkei entdeckt hat”, sagt Arranz-Otaegui. “Die von uns analysierten Relikte zeigen, dass die Menschen damals wilde Vorformen von Getreiden wie Gerste, Einkorn und Hafer zermahlten, siebten und vor dem Backen kneteten.” Aber auch Samen der Strandsimse (Bolboschoenus glaucus), einer zu den Sauergräsern gehörenden krautigen Pflanze wurden für dieses urzeitliche Fladenbrot verbacken.





