Eine erhöhte Umweltbelastung führt möglicherweise zu mehr Zwillingsgeburten. Darauf deutet eine Studie hin, in der Hamburger Forscher die Geburtenraten in der Nähe einer Giftmüll-Verbrennungsanlage und anderer Industrieanlagen mit denen in weniger belasteten Gegenden in Hessen verglichen. Über ihre Untersuchung berichten Nadia Obi-Osius von der Universität Hamburg und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift Occupational and Environmental Medicine (Bd. 61, S.482).
Die Wissenschaftler befragten Kinder und Eltern aus dem östlichen Rheintal zwischen Mainz und Worms, wo einige Gemeinden rund um eine Giftmüll-Verbrennungsanlage und einige Industriestandorte liegen. Zum Vergleich untersuchten sie Bewohner aus einer Region zwanzig Kilometer nördlich im Rheintal und aus dem südöstlich gelegenen Odenwald. Zudem zogen sie Daten von Geburtenraten aus einer hessischen Studie aus den Jahren 1994 bis 1997 hinzu.
In der stark belasteten Rheintalregion war die Zwillingsrate mit 5,3 Prozent deutlich höher als in den beiden Vergleichregionen, wo lediglich 1,6 und 2,3 Prozent der Frauen Zwillinge zur Welt gebracht hatten. Die Forscher bezogen in ihre Untersuchungen auch mit ein, ob die Frauen sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen hatten, da diese Behandlung die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsgeburt erhöhen kann.
Zwischen Umweltbelastung und der Geburtenrate von Zwillingen könnte ein Zusammenhang bestehen, schließen Obi-Osius und ihre Kollegen aus diesen Ergebnissen. Worin ein solcher Effekt bestehen könnte, wissen die Forscher allerdings noch nicht. Frühere Studien waren zum Teil zu ähnlichen Ergebnissen gekommen: So ergab eine schottische Erhebung aus den frühen 80er Jahren, dass Frauen aus der Umgebung von zwei Sondermüll-Verbrennungsanlagen häufiger Zwillinge bekamen. Belgische Forscher fanden heraus, dass unter der Bevölkerung in der Nähe von Verbrennungsanlagen für Hausmüll die Wahrscheinlichkeit für Mehrlingsgeburten um das 2,6-fache erhöht war. Eine Studie aus Schweden konnte dagegen in der Umgegend von 14 Müllverbrennungsanlagen keine allgemeine Erhöhung der Zwillingsrate feststellen.
ddp/bdw ? Cornelia Pfaff





