Welche Unternehmen sind in Nachhaltigkeitsfonds zu finden?
Das kommt ganz auf die Konzepte an. Viele Fonds haben sehr einfache, sogenannte Best-in-Class-Ansätze. Man schaut also in jeder Branche, wer aus ökologischer Sicht zur besseren Hälfte gehört. Deshalb werden zuweilen auch Autofirmen, Fluglinien und, wie schon gesagt, AKW-Betreiber aufgenommen.
Bedeutet das, dass beim Best-in-Class-Ansatz die Besten genommen werden, selbst wenn die Branche insgesamt wenig nachhaltig ist?
Genau das. Einem Anleger kann ich deshalb nur empfehlen, immer auf Ausschlusskriterien zu achten. Da werden zum Beispiel Atom- oder Kohleenergie ausgeschlossen, gentechnisch veränderte Lebensmittel oder Kinderarbeit.
Eine Studie im Auftrag der Grünen zeigt, dass in nachhaltigen Fonds sogar Hersteller von Kampfhubschraubern und Maschinenpistolen zu finden sind. Wie ist es möglich, dass die Anbieter da keine Grenzen ziehen?
Ein Grund ist der Best-in-Class-Ansatz. Aber auch bei Ausschlusskriterien gibt es oft Schwellengrenzen. Da werden zuweilen kritische Geschäftstätigkeiten toleriert, wenn sie weniger als fünf Prozent des gesamten Unternehmensumsatzes ausmachen. Das ist eine Art Schutzklausel. Denn bei großen Konzernen immer auszuschließen, dass irgendeine Unterbeteiligung nicht doch die Kriterien tangiert, das ist mit einem vertretbaren Aufwand eigentlich nicht möglich.
Für einen Großkonzern wie Siemens oder General Electric sind doch fünf Prozent eine riesige Größe. Da geht es um Milliardenumsätze …
Das ist richtig. Deshalb gehen die Fonds-Betreiber mit diesem Thema sehr unterschiedlich um. Viele haben Toleranzschwellen. Einige praktizieren sogar eine Null-Toleranz-Politik. Das genau ist das Spannungsfeld, in dem sich die Nachhaltigkeitsfonds bewegen: Manche legen die Kriterien so fest, dass sie große Konzerne ins Portfolio aufnehmen können. Bei sehr strengen Fonds ist das kaum denkbar. Dort findet man weder einen Siemens-Konzern noch ein Bergbauunternehmen oder einen Atomstromanbieter.
Kann ein Nachhaltigkeitssiegel die Spreu vom Weizen trennen?
Ich glaube, dass es in jedem Fall Orientierung verschafft. Vergleichbar dem EU-Siegel bei Bio-Lebensmitteln. Und es hilft nicht nur dem Kunden, sondern ebenfalls dem Anlageberater, ein geeignetes Anlageprodukt auszuwählen.
Wann wird das Siegel kommen?
Darüber können wir nur spekulieren. Ich schätze mal, dass es durchaus noch ein, zwei Jahre dauert.
Was empfehlen Sie bis dahin Ihren Kunden?
Es gibt als Orientierungshilfe das Transparenz-Logo von Eurosif, dem europäischen Fachverband für nachhaltige Geldanlagen. Finanzprodukte mit diesem Siegel sagen wenigstens, welche Kriterien angewendet werden. Dann müssen entweder der Anlageberater oder der Investor nachschauen, welche Ausschlusskriterien die jeweiligen Fonds haben und die einzelnen Firmen unter die Lupe nehmen. Eine andere Möglichkeit existiert nicht.


natur: Herr Schürmann, derzeit arbeiten das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) sowie die gemeinnützige Carlo-Stiftung an einem Qualitätssiegel für Nachhaltigkeitsfonds. Ist ein solches Siegel für alternative Geldanlagen aus Ihrer Sicht notwendig?

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