An den Tagen, die mit ihrer Regel zusammenfielen, ließ die 40-jährige Brigitte Weitermann (Name geändert) vorsorglich eine Lücke im Terminkalender. Sie litt an starken Schmerzen, und die Blutverluste waren so stark geworden, dass Eisenpräparate die schwächende Anämie nicht mehr ausgleichen konnten. Schuld waren zwei gutartige Wucherungen aus Muskelgewebe in der Wand der Gebärmutter – Myome. Vor anderthalb Jahren stand dann ihr Entschluss fest: Als erste Frau in Deutschland vertraute Brigitte Weitermann auf ein neuartiges Verfahren, die Myom-Embolisation. Dabei werden die zu dem Myom führenden Blutgefäße durch kleine Kunststoffkugeln verschlossen und verödet. Die Wucherung verhungert, da ihre Nährstoffversorgung gekappt wird. Fast jede dritte Frau in Deutschland hat Myome in der Gebärmutter. Allerdings verursachen sie nur bei zehn Prozent der Betroffenen Beschwerden. Manche sind klein wie eine Erbse, andere können bis zur Größe einer Melone wachsen. Meist treten mehrere gemeinsam auf – 20 Stück pro Patientin sind keine Seltenheit. Wie Gebärmutter-Myome entstehen, ist unklar. Ihr Ursprung liegt in der glatten Muskulatur der Gefäßwände, und den Anstoß zum ungebremsten Wachstum gibt vermutlich das Geschlechtshormon Östrogen. Behandelt werden sie normalerweise nur, wenn sie Schmerzen, starke und unregelmäßige Blutungen oder Unfruchtbarkeit verursachen. Medikamente können die Östrogenkonzentration senken und damit auch das Wachstum der Myome bremsen. Aber länger als sechs Monate werden sie meist nicht gegeben, und dann setzt das Wachstum erneut ein. Auch die Wucherungen operativ zu entfernen, gelingt oft nur unvollständig. Um die Beschwerden endgültig loszuwerden, blieb bisher nur die komplette Entfernung der Gebärmutter. Die neue Technik der Myom-Embolisation wurde erstmals in den neunziger Jahren in Frankreich eingesetzt. Der Eingriff beginnt mit einer Röntgen-Kontrast-Darstellung der Schlagadern im Beckenbereich. Die Ärzte schieben dann einen dünnen Katheter durch einen kleinen Schnitt in der Leiste. Anhand der „Röntgen-Landkarte” des Adersystems dirigieren sie die Katheterspitze genau an die Stelle, wo die Blutgefäße abzweigen, die das Myom versorgen. Durch den feinen Schlauch schicken sie Polyvinylkügelchen, die sich festsetzen, das Blutgefäß verstopfen und so das Myom von der Nährstoffversorgung abschneiden. Der Körper baut das nicht mehr durchblutete Myom in den nächsten Monaten in narbiges Gewebe um, wodurch es etwa um die Hälfte schrumpft. Das lässt bei fast 90 Prozent der Patientinnen Schmerzen und Blutungen verschwinden. Allerdings eignet sich das Verfahren nicht für Myome, die größer sind als zehn Zentimeter. Außerdem raten die Radiologen Frauen mit Kinderwunsch von dem Eingriff ab. Denn es ist nicht völlig auszuschließen, dass einige Kügelchen bis in den Eierstock gelangen. Wenn sie dort Gefäße verschließen, ist die Fruchtbarkeit bedroht. Für Brigitte Weitermann, die ihre Myome an der Charité in Berlin veröden ließ, war die Behandlung ein voller Erfolg. Heute geht es ihr wieder gut. Ein halbes Jahr nach der Embolisation waren Schmerzen und übermäßige Blutungen verschwunden – wie die Lücken im Terminkalender.
Ulrich Fricke





