Dazu muss man wissen, dass Herr Meyer 1990 das „Discovery Institute” in Seattle mitbegründete, welches bis heute als die bekannteste Denkfabrik der US-amerikanischen Intelligent-Design-Bewegung gilt. Diese postuliert, dass hinter den Merkmalen allen Lebens das Wirken einer intelligent planenden Instanz steht – und sie daher keineswegs durch ungesteuerte natürliche Prozesse wie die Evolution hervorgebracht werden. Die Absicht des erwähnten Artikels dürfte damit klar sein: Einschlagen auf die Evolutionstheorie.
Eines der Hauptargumente des Herrn Meyer war damals, dass Gene und Proteine zu komplex seien, um allein durch zufällige Mutation und natürliche Selektion entstehen zu können. Ein wie auch immer gearteter „intelligenter Schöpfer“ würde daher die Entstehung neuer Gene, Proteine und Eigenschaften viel besser erklären als die Darwinsche Theorie, so sein Fazit.
Andere Anhänger des Intelligent-Design-Ansatzes stoßen seitdem in dasselbe Horn und attackieren die Evolutionsbiologie mit der Forderung: „Zeigt uns doch mal, wie in Euren Labors ein neues Gen entsteht.“
Zugegeben: Neue Gene entstehen schon seit sehr langer Zeit praktisch nur noch aus bereits existierenden DNA-Sequenzen. Jedenfalls hat man bisher kein Beispiel, dass eine Zelle aus einzelnen Nukleinsäuren eine komplett neue Sequenz zusammengebaut und diese dann als Gen stabil ins Genom integriert hat. (Obwohl das zu „Ursuppen“-Zeiten ja passiert sein muss). Der Punkt ist aber nicht, dass die Zelle das womöglich nicht kann (im Gegensatz zum Forscher im Labor). Nein, sie braucht es nicht! Sie hat im Genom derart viel Sequenzmaterial „herumliegen“, dass reines Kopieren bereits vorliegender DNA-Ketten samt nachfolgendem Variieren und Optimieren ausreicht, um Gene mit neuen Funktionen und Eigenschaften hervorzubringen. Das ist in etwa so, wie wenn ich einen neuen Text schreibe. Dazu nehme ich auch Wörter, die schon lange existieren, um sie in meinem Text neue Sätze mit neuer Bedeutung bilden zu lassen – und fange nicht wieder von Grund auf mit einer „Buchstabensuppe“ an.
Variation und Neukombination
Doch zurück zur Biologie. Beispiele dafür, wie in der Evolution neue Gene durch Variation und/oder Neukombination bestehender DNA-Sequenzen entstanden, gibt es wahrlich genug. So viele, dass man sie bereits nach dem jeweiligen Mechanismus in verschiedene Klassen einteilt. Neue Gene entstehen demnach etwa:





