Dabei war es noch vor wenigen Jahrzehnten selbstverständlich oder sogar notwendig, Dinge wieder zu verwenden: Kleidung aus Decken oder Kartoffelsäcken, Patchwork-Jacken aus alten Jeans, Flickenteppiche aus Stoffstreifen, Bucheinschläge aus Comicheften, bunte Ketten aus gerollten Papierperlen. Upcycling gehörte für unsere Großeltern zum Alltag. In den Müll kam nur, womit gar nichts mehr anzufangen war. Ich erinnere mich noch genau an den zum Wischlappen umfunktionierten Hemdfetzen meiner Oma, der mehr Löcher hatte, als ich zählen konnte. Und an die Seifenkisten, die wir aus alten Kinderwagengestellen und Fundstücken aus Kellern und Garagen zusammenbauten.
Neuer Trend: Selbermachen
Seit einigen Jahren liegt Selbermachen wieder im Trend. Immer mehr Kreative verarbeiten bewusst Dinge, die sonst im Müll gelandet wären. Lange genug haben wir unser Gewissen damit beruhigt, all der Müll sei in Recyclinganlagen gut aufgehoben. Mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Umwandeln in höherwertige Dinge nachhaltiger und sinnvoller ist als ein energieaufwändiger Recyclingprozess, an dessen Ende Produkte von meist niedrigerer Qualität stehen.

Upgecycled: ein Gürtel aus Stoffresten und einem alten Fahrradschlauch
Geprägt wurde der Begriff Upcycling vom Ingenieur Reiner Pilz, der 1994 sagte: “Recycling‚ ich nenne es Down-cycling. Sie schlagen Steine kaputt, sie schlagen alles kaputt. Was wir brauchen, ist Up-cycling, bei dem alte Produkte einen höheren Wert erhalten, keinen geringeren.” Upcycling ist die kreative Aufwertung von Abfall. Upcycling ist ein Statement gegen die Wegwerfgesellschaft. Upcycling ist notwendig.
Gründe für Upcycling
Wenn Du aussortierte Dinge wieder verwertest …
… schonst Du die Umwelt, weil Du gebrauchtes Material direkt in etwas Neues umwandelst und es nicht mit Energieaufwand und Emissionen recycled wird oder gar auf der Müllkippe landet.
… schonst Du Ressourcen, denn das vermeintlich unnütze Material ist ein Rohstoff.
… sparst Du Geld, weil Abfall nichts kostet.
… entstehen Dinge, die durch ihre Gebrauchsspuren einzigartig sind und ihre eigene Geschichte erzählen.
… verändert sich Dein Blick auf das, was sonst entsorgt wird. Du wirst zuvor als nutzlos betrachtete Dinge wert-schätzen.




Man muss dafür kein Bastelprofi sein, sondern braucht nur ein bisschen Phantasie. Meine Projekte entstehen im Kopf. Erst wenn ich ein ziemlich genaues Bild von einer Sache habe, wird die Idee mit möglichst einfachen Mitteln umgesetzt. Am Anfang steht fast immer das Material, von dessen Möglichkeiten ich mich leiten lasse.