Mit zwei künstlichen Schwingen wollte der Ulmer Schneider Albrecht Ludwig Berblinger im Mai 1811 fliegend die Donau überqueren. Der Versuch misslang, doch der ?Schneider von Ulm? setzte damit ein Zeichen für Mut und Forschergeist. 200 Jahre danach veranstaltete die Stadt Ulm mit dem ?Berblinger Flugwettbewerb 2011? ein Event, das an diese Tugenden anknüpfte. Innovative Flugkonstruktionen und Antriebe, die Umwelt und Ressourcen schonen, standen im Fokus der Veranstaltung. Drei Entwicklungen gingen als Sieger daraus hervor ? darunter das von dem Zweibrücker Flugzeugunternehmen Lange Aviation konzipierte Elektro-Segelflugzeug ?Antares 20E?.
36 Teams aus 6 Ländern hatten sich um den Preis beworben, 24 wurden zugelassen. 13 Fluggeräten gelang schließlich ein erfolgreicher Start. Der erfolgte im Rahmen der internationalen Luftfahrtmesse AERO auf dem Flugplatz von Friedrichshafen am Bodensee. Von dort ging es rund 80 Kilometer nach Ulm ? und zurück nach Friedrichshafen, wo 8 der 13 gestarteten Flugzeuge wieder ankamen. Die anderen mussten unterwegs aufgeben. Eine Jury, der Hochschulwissenschaftler, Luft- und Raumfahrtexperten aus der Industrie sowie Vertreter der Stadt Ulm angehörten, bewertete, wie sich die Teams geschlagen hatten. Am Ende vergaben die Juroren zwei Preise und einen Sonderpreis mit insgesamt 100000 Euro Siegprämien.
Ein Preis ging an Eric Raymond ? einen US-amerikanischen Piloten und Pionier des Fliegens per Sonnenlicht, der mit dem einsitzigen solar betriebenen Motorsegler ?Sunseeker II? an den Start gegangen war. Den Sonderpreis errang der Österreicher Manfred Ruhmer für die Entwicklung eines Ultraleicht-Flugzeugs (?Swift-light Electric?), das mit Akku und Elektroantrieb umweltfreundlich und weitgehend geräuschlos fliegen kann.
Glänzen konnte auch die ?Antares 20E? ? ein Hochleistungssegelflugzeug, das elektrisch angetrieben wird und eigenständig starten kann. Es hat 20 Meter Spannweite und verfügt über einen Elektromotor mit 42 Kilowatt Leistung, den Lithium-Ionen-Akkus mit elektrischem Strom versorgen. Am Steuer saß Stefan Senger, die Auszeichnung durch den Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner nahm Axel Lange, Chef der Lange Aviation GmbH in Zweibrücken, entgegen.
Lange selbst flog bei dem Wettbewerb ein zweites Modell des Flugzeugs aus seiner Schmiede: die Antares DLR-H2, die statt Akkus über Brennstoffzellen verfügt. Diese generieren elektrischen Strom durch eine chemische Reaktion von Wasserstoff und Luftsauerstoff. Dabei entsteht als Abgas ausschließlich Wasserdampf ? weder Stickoxide noch Feinstaub oder klimaschädliches Kohlendioxid werden frei. Entwickelt haben den Antrieb Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Gegenüber Akkus haben Brennstoffzellen in der Luftfahrt offenbar noch etwas Nachholbedarf. Doch auch die damit ausgestattete Variante des Segelfliegers war unter den acht Flugzeugen, die den Jubiläums-Rundflug erfolgreich absolvierten.
Für 2012 planen der Flugzeugbauer Axel Lange und die Forscher des Stuttgarter DLR-Instituts für Technische Thermodynamik mit einem weiterentwickelten Antares-Modell einen Rekordflug: Das Flugzeug soll mithilfe von Brennstoffzellen auf einer über 5000 Kilometer langen Route den Nordatlantik überqueren ? von der Ostküste der USA nach Europa. Mehr darüber sowie über Technologie und Anwendungsmöglichkeiten von Brennstoffzellen erfahren Sie in der Titelgeschichte von bild der wissenschaft, Ausgabe 9/2010.
wissenschaft.de – ===Ralf Butscher





