FCKW kommen in der Natur übrigens nicht vor. Der amerikanische Chemiker Thomas Midgley war zurecht stolz auf seine Erfindung. 1928 von General Motors damit beauftragt, ein sicheres und ungiftiges Kühlmittel zu erfinden, hatte Midgley nur das Beste im Sinn. Denn Kühlschränke und Klimaanlagen waren damals überraschend gefährliche Geräte. Austretendes Kühlmittel konnte extrem gesundheitsschädliche Dämpfe erzeugen, was nicht alle überlebt haben, die eigentlich nur Bier kühlen wollten oder Joghurt. Dass Midgley FCKW für sicher hielt, demonstrierte er der Öffentlichkeit sogar selbst: Er nahm einen tiefen Atemzug davon und blies damit eine Kerze aus. Nicht gesundheitsschädlich und auch nicht brennbar: Was will man mehr!
Vor den FCKW hatte er schon eine andere wichtige Entdeckung gemacht: verbleites Benzin. Motoren neigten damals zum Klopfen. Nicht weil sie so höflich waren und nirgendwo unangekündigt reinplatzen wollten. Sondern weil das Benzin in ihnen oft nicht gleichmäßig verbrannt ist. Midgley fand heraus, dass man das Problem lösen kann, indem man Benzin mit einer Verbindung aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Blei mischt. Super für Autos, die keinen Klopfer mehr hatten, aber weniger super für Menschen. Hat Midgley das angefochten in seinem Erfinderstolz? Nein, denn er starb schon 1944, im Alter von nur 55 Jahren, was ihm zwar das Leben erheblich verkürzt, aber auch erspart hat, als die Person bekannt zu werden, die unserem Planeten und dem Leben darauf so sehr geschadet hat wie keine andere. Sieger wollen viele Menschen gern sein, aber diese Rangliste will wohl niemand anführen. Vor allem, weil alles noch viel schlimmer ist: Verbleites Benzin hat man mittlerweile zwar verboten, FCKW noch früher geächtet. Aber irdische Verbote beeindrucken diese stabilen Moleküle wenig. Sie können Jahrhunderte in der Atmosphäre bleiben. Was machen sie dort die ganze Zeit? Ein Haus bauen, ein Kind zeugen und einen Baum pflanzen oder fröhlich sein? Von wegen. Sie ruinieren nicht nur die Ozonschicht, sondern sorgen auch für steigende Temperaturen. FCKW sind nämlich auch Treibhausgase. Und nicht solche Lulus wie CO2: Ein Molekül davon hat die gleiche Wirkung auf die Erwärmung der Erde wie circa 10.000 CO2-Moleküle.
Das „C“ streichen, genügt nicht
Midgleys Erfindung hat also nicht nur geholfen, die Ozonschicht kaputt zu machen und gefährlicher UV-Strahlung die Reise auf die Erdoberfläche erlaubt, sondern auch noch die Klimakrise angetrieben. Und nur weil oft ein größeres ein kleineres Übel aufhebt, sorgt das kleinere noch lange nicht für ein Happy End. Natürlich ist es gut, dass wir uns entschlossen haben, FCKW nicht mehr in die Atmosphäre zu pusten. Hätten wir nicht so früh damit aufgehört, hätten wir uns etwa die Sache mit dem Pariser Klimaabkommen sparen können. Allein durch die Auswirkungen der FCKW hätte sich die Erde bis heute schon um 1,7 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erwärmt. Einerseits. Doch wir haben die FCKW nicht ersatzlos gestrichen, sondern in vielen Fällen nur das „C“. Denn auch nach 1987 gab es Bedarf an Kühlmitteln und Treibgasen. Statt der in Ungnade gefallenen FCKW wurden FKW inthronisiert, „Fluorkohlenwasserstoffe“. Die sind aber teilweise noch klimaschädlicher als FCKW. Beispielsweise Fluoroform: als Löschmittel, Kältemittel und in diversen anderen industriellen Prozessen ein Bringer und keine Gefahr für das Ozon. Aber es ist leider auch ein 14.000 Mal stärkeres Treibhausgas als CO2. Oder Tetrafluormethan: Das ist über 6000 Mal schlimmer als CO2 – und es gefällt ihm so gut in der Atmosphäre, dass es gern 50.000 Jahre dort bleibt.





