Unsere Milchstraße hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Schon ihre Entstehung vor rund 13 Milliarden Jahren verdankt sie der Verschmelzung mehrerer gasreicher Protogalaxien. Sterne dieser galaktischen Ur-Bausteine sind noch heute im Zentrum unserer Galaxie zu finden. Vor rund zehn Milliarden Jahren erlebte die junge Milchstraße ihre letzte größere Kollision: Sie verschmolz mit der rund 50 Milliarden Sonnenmassen schweren Gaia-Sausage-Enceladus-Galaxie. Als Folge entstand die dicke Sternenscheibe unserer Galaxie. Seither folgten noch mehrere kleinere Verschmelzungen.
Rätsel um galaktische Frühgeschichte
„Doch was in der frühesten Phase der Milchstraße passierte, vor der Kollision mit Gaia-Sausage-Enceladus, ist weit schwerer zu rekonstruieren“, erklären Davide Massari vom Astrophysikalischen Observatorium in Bologna und seine Kollegen. Schon länger legen Modelle nahe, dass unsere Galaxie nach ihrer Entstehung und vor dieser großen Kollision noch mindestens eine weitere größere Verschmelzung durchlebt haben muss. Doch wann diese stattfand und mit wem, blieb strittig.
Das Problem: Der zentrale Bereich der Milchstraße umfasst zahlreiche sehr alte, metallreiche Sterne. „Sie sind wahrscheinlich eine Mischung aus den Sternen, die vor Ort in den Protogalaxien entstanden sind, und Sternen, die aus schon früh einverleibten anderen Galaxien stammen“, erklären die Astronomen. „Aber Versuche, diese Sternpopulationen und ihre Herkunft zu identifizieren, lieferten widersprüchliche Resultate.“
Zentrale Kugelsternhaufen als Zeitzeugen
Massari und sein Team haben daher einen anderen Ansatz gewählt: Sie untersuchten 17 Kugelsternhaufen, die weniger als 20.000 Lichtjahre vom galaktischen Zentrum entfernt liegen. Diese dichten Sternansammlungen enthalten typischerweise sehr alte, gleichzeitig entstandene Sterne. „Es ist uns gelungen, das relative Alter dieser Kugelsternhaufen bis auf wenige hundert Millionen Jahre genau zu bestimmen“, berichten die Astronomen. Weitere 22 Kugelsternhaufen waren schon früher datiert worden.






