Die europäische Raumsonde JUICE (Jupiter Icy Moons Explorer) ist seit April 2023 unterwegs zum Jupiter und seinen großen Eismonden Ganymed, Europa und Kallisto. Deren subglaziale Ozeane gelten als mögliche Orte für extraterrestrisches Leben im Sonnensystem. Doch bevor die Sonde ihr Ziel erreicht, muss sie mehrfach Schwung holen, indem sie nah an Mond, Erde und Venus vorbeifliegt. Diese Gravity-Assist-Manöver sparen Treibstoff und bringen sie auf den richtigen Kurs.
Vorbeiflug in nur 8640 Kilometer Abstand
Jetzt steht erneut ein riskanter naher Vorbeiflug an: Heute Mittag wird die JUICE-Raumsonde extrem dicht an der Erde vorbeifliegen und dabei tief unter die Flughöhe der geostationären Satelliten abtauchen. Den geringsten Abstand erreicht die Sonde gegen 13:45 Uhr unserer Zeit: Sie wird in nur 8640 Kilometer Höhe über den Indischen Ozean hinwegfliegen. Kurz vorher überquert sie Australien. Diese nahe Erdpassage wird die Flugrichtung der Raumsonde um rund 20 Grad verändern und sie um rund 3,5 Kilometer pro Sekunde beschleunigen.
Um mögliche Navigationsfehler auszuschließen und die Sonde sicher an der Erde vorbeizuführen, bereitet die europäische Weltraumagentur ESA diesen Vorbeiflug schon seit Wochen vor. Es wurden sechs Zeitpunkte für optionale Kurskorrekturen eingeplant, um selbst kleine Abweichungen von der korrekten Flugbahn und Geschwindigkeit zu korrigieren. „Aber wir haben nur eines dieser Manöver gebraucht, rund vier Wochen vor dem Erdvorbeiflug“, berichtet JUICE-Operationsleiterin Angela Dietz von der ESA. „Es war eine kleine, aber sehr effektive Korrektur, die JUICE in die richtige Position für den Flyby brachte.“
Eine letzte Chance für Kurskorrekturen hat die ESA heute früh um 08:00 Uhr. Dann kann sie die Bahn der Raumsonde noch verändern, um beispielsweise eine Kollision mit einem Satelliten zu verhindern. Wenn jedoch alles so weiterläuft wie geplant, sollte dies nicht nötig sein. „Alle Vorbeiflüge sind riskant und erfordern sorgfältige Vorbereitung und Überwachung“, erklärt Projektwissenschaftlerin Claire Vallat. „Aber dieser ist zumindest einfacher als der kombinierte Erde-Mond-Flyby im Jahr 2024.“







