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Archäologe aus Leidenschaft
Manch ein Entdecker gerät nach dem Tod in Vergessenheit. Nicht so Heinrich Schliemann: Seit er bei Grabungen auf dem kleinasiatischen Hügel Hissarlik 1873 auf den „Schatz des Priamos“ stieß, ist sein Name untrennbar mit dem Mythos Troja verbunden.
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von LEONI HELLMAYR
Manch ein Entdecker gerät nach dem Tod in Vergessenheit. Nicht so Heinrich Schliemann: Seit er bei Grabungen auf dem kleinasiatischen Hügel Hissarlik 1873 auf den „Schatz des Priamos“ stieß, ist sein Name untrennbar mit dem Mythos Troja verbunden.
Es ist heute verbreitete Forschermeinung, dass Troja tatsächlich auf dem von Schliemann durchwühlten Hügel lag. Allerdings hat der damals der Welt stolz als Beweis präsentierte „Schatz des Priamos“ nichts mit Troja und den homerischen Epen zu tun. Dafür ist er um 1000 Jahre zu alt. Schliemanns Annahme, Troja müsse unter all den anderen Schichten ganz unten liegen, war falsch. Als er den Schatz fand, hatte er am möglichen Troja bereits vorbeigegraben.
Doch Schliemann hegte keine Zweifel, zu gut passte der Schatz zu seinen Träumen von den trojanischen Helden.
Wenige Jahre später gelang ihm auf dem Peloponnes der nächste Sensationsfund: die Schachtgräber von Mykene, gefüllt mit wertvollen Grabbeigaben wie goldenen Totenmasken. Auch hier griff Schliemann mit seiner Einordnung daneben. Die „Maske des Agamemnon“ war in Wirklichkeit ebenfalls noch aus der Bronzezeit.
So blicken wir heute auf zwei Seiten des Heinrich Schliemann: Wegen seiner Grabungserfolge glorifizieren ihn die einen als Pionier der Prähistorischen Archäologie. Und wegen seines unkonventionellen Werdegangs, Vorgehens und Auftretens verurteilen ihn die anderen als dilettantischen Schatzgräber und geltungssüchtigen Fantasten.
Späte Berufung
Schliemanns Weg in die Archäologie verlief über Umwege und entsprach nicht der typischen akademischen Laufbahn. Da ihm der Besuch eines Gymnasiums verwehrt war, blieb ihm nach Abschluss der Realschule nur der Antritt einer Lehre. Er wurde Handelsgehilfe und brachte es nach schwierigen ersten Jahren zu einem eigenen Handelsunternehmen mit Sitz in Sankt Petersburg. Während des Krimkriegs – Schliemann war mittlerweile Anfang 40 – häufte er durch den geschickten Handel mit Munitionsrohstoffen in kurzer Zeit ein riesiges Vermögen an. Dieses Geld war sein Freibrief, um den ungeliebten Kaufmannsberuf aufgeben und einen befriedigenderen Lebensinhalt suchen zu können.
1864 brach er zu ausgedehnten Studienreisen nach Asien sowie nach Nord- und Mittelamerika auf. Er scheute weder gefährliche Schiffsfahrten noch unbequeme Eselskarren, um entfernte Winkel der Erde zu erreichen. Ein starker Forscherdrang trieb ihn an, und er hielt alle Eindrücke und Erlebnisse in Notizen und Tagebucheinträgen fest. 1865 verfasste er daraus ein Buch mit dem Titel „La Chine et le Japon“.
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Ein Jahr später hatte er seine Firmen verkauft. Er ließ seine Familie in Sankt Petersburg zurück und schrieb sich an der Pariser Sorbonne als Student für die Fächer Philologie, Philosophie und Literatur ein. Doch er blieb unzufrieden. Er besuchte zwar hin und wieder Vorlesungen, machte jedoch in keinem der Fächer einen Abschluss. Stattdessen begab er sich wieder auf Reisen.
Der Weg nach Troja
1868 besuchte Schliemann die griechischen Inseln. Er beschrieb, wie er dort mit einer Homer-Ausgabe in der Hand herumspazierte, den Palast des Odysseus suchte – und dabei das reinste Glück empfand. Durch erste Probegrabungen auf Ithaka sah er sich bestätigt: In diesen Landschaften wollte er suchen, was in den Epen Homers beschrieben war. Dass er seinem Traum, Troja zu finden, schon bald darauf sehr nah kam, verdankte er einem Zufall.
Als er am 14. August 1868 nach Konstantinopel abreisen wollte, verpasste er im türkischen Çanakkale den Dampfer. Dadurch lernte er den britischen Diplomaten Frank Calvert kennen, dessen Familie hier lebte und Ländereien in der „Troas“ besaß, einer Landschaft südöstlich der Meerenge der Dardanellen und nördlich der Insel Lesbos. Calvert beschäftigte sich seit Langem intensiv mit der Geschichte der Region, und ihm gehörte ein Teil des Hügels Hissarlik. Hier, davon war er schon länger überzeugt, müsse Troja liegen. Doch um eine groß angelegte Ausgrabung beginnen zu können, fehlte ihm etwas Entscheidendes: Geld. Als er Schliemann begegnete, einem Mann mit großem Vermögen und noch größerer Begeisterung für Homer, führte er ihn kurzerhand zum Hissarlik. Nach der Besichtigung stand für Schliemann fest: Das war der Ort, an dem er seine Suche nach Troja beginnen wollte. Sein unruhiger Geist hatte ein Ziel gefunden und der Sonderling Schliemann eine Lebensaufgabe, die zu ihm passte.
Meister der Öffentlichkeitsarbeit
Überzeugt, dieses Projekt im Interesse der Menschheit durchzuführen, wollte Schliemann die Welt von Anfang an daran teilhaben lassen und ging einen für damalige Wissenschaftler undenkbaren Schritt: Er wandte sich an die Presse.
Diese hatte sich mit Beginn der Industrialisierung zuerst in England, dann auch in Deutschland stark entwickelt und reichte in den 1870er-Jahren von großen Tageszeitungen über illustrierte Zeitungen bis zu thematisch breit aufgestellten Familienblättern. Die Menschen wollten teilhaben am technischen Fortschritt und an neuen wissenschaftlichen Entdeckungen. Sie interessierten sich für Geschichten über Forscher, abenteuerliche Expeditionen und sonderbare Funde aus längst vergangenen Zeiten. „Als Schliemann seine Karriere als Archäologe begann, konnte er aus dem Vollen schöpfen“, erklärt die Kulturwissenschaftlerin Stefanie Samida von der Universität Heidelberg. „Berichte von Ausgrabungen und Entdeckungen, ob lokal, überregional oder international, gehörten zur Tagesordnung.“ Mit Informationen über einem Ort wie Troja konnte sich Schliemann des öffentlichen Interesses sicher sein, gehörten die homerischen Epen doch seit Jahrtausenden zum kulturellen Gedächtnis Europas.
Bereits während seiner ersten Grabungen in Hissarlik und noch bevor er etwas Bedeutendes gefunden hatte, schickte Schliemann Berichte an die Presse. „Dass er ganz gezielt Zeitungen anschrieb, macht ihn aus heutiger Sicht zu einem PR-Strategen“, sagt Samida. Die Journalisten wurden aufmerksam auf den Mann, von dem niemand zuvor etwas gehört hatte und der mit einer provokanten Troja-These aufwartete.
Schliemann stellte die seit fast 100 Jahren gültige Bunarbaschi-These infrage, die Troja in der Nähe des heutigen türkischen Dorfes Pınarbaşı verortet, 14 Kilometer von den Dardanellen entfernt. Diese Theorie wurde zwar vielfach diskutiert, aber die meisten Gelehrten folgten ihr. Doch für Schliemann, der in den homerischen Epen wie in einem faktenbasierten Geschichtsbuch las, passte die Landschaft, in der Pınarbaşı liegt, nicht zu den Erzählungen – der Hügel Hissarlik hingegen schon.
Warten auf den Grabungserfolg
Allerdings könnte Schliemanns frühe Kontaktaufnahme mit der Presse auch mit seinem fehlenden wissenschaftlichen Stempel zusammenhängen, vermutet Samida: „Denn es ist sehr fraglich, ob seine ersten Berichte in einem wissenschaftlichen Organ veröffentlicht worden wären.“ Die etablierte archäologische Wissenschaft hatte damals ihren Fokus auf der klassischen Antike. Seit der Renaissance begeisterte man sich für die griechisch-römische Kultur, und die Wissenschaft beschäftigte sich vor allem mit der kunstgeschichtlichen Betrachtung ausgewählter Objekte. Was Schliemann hingegen tat und wie er es tat, passte nicht dazu. Das gehörte eher in den Bereich der Urgeschichtsforschung, die zu der Zeit zwar begonnen hatte, aber noch kaum professionalisiert und in der Fachwelt wenig anerkannt war.
Und noch etwas behinderte Schliemanns wissenschaftliche Anerkennung: Zwar beschäftigten sich auch andere Laienforscher mit Ausgrabungen, doch die waren zumindest Akademiker, hatten etwa Anthropologie oder Medizin studiert. Schliemann beschloss, diese akademische Lücke in seiner Vita schnellstmöglich zu schließen und machte sich daran, eine Publikation über seine Griechenland- und Türkeireise zu schreiben, um sie zur Erlangung der Doktorwürde einzureichen.
Dass er sich dafür an die Universität Rostock wandte, lag in erster Linie an den guten Kontakten, die sein Vetter Adolph Schliemann dorthin pflegte. Sie führten zu einem ungewöhnlich schnell und positiv verlaufenden Promotionsverfahren „in absentia“, denn Schliemann war schon wieder auf Reisen.
Während Schliemann also einerseits bemüht war, sich in der Öffentlichkeit einen Namen zu machen, führte er andererseits auf Hissarlik Jahr für Jahr Grabungen durch. Im Mai 1873 war es bereits die vierte. Bis zu diesem Zeitpunkt fehlte ihm immer noch der entscheidende Erfolg: ein Objekt, eine Inschrift, einfach irgendetwas, das seine These belegte.
In jenem Frühsommer konzentrierte er sich auf einen Bereich des Hügels, in dem eine gepflasterte Fläche freigelegt worden war. Es musste sich um eine Straße handeln, so steil, dass sie Schliemann an eine Rampe erinnerte. Sie führe zu etwas hin, sicherlich zu einem besonderen Ort, einem Gebäude von höchster Bedeutung, notierte er in seinem Tagebuch. Er holte 100 Arbeiter zusammen und ließ sie hier weitergraben. Bereits in den rechtwinkligen Mauerresten, die sie zutage förderten, glaubte er die Überreste des „Skäischen Tores“ zu erkennen, wo sich einst Priamos und die Ältesten der Stadt versammelt hatten.
An einem dieser Tage gelang ihm in der Nähe des mutmaßlichen Tores die bahnbrechende Entdeckung: ein Depotfund, bestehend aus rund 8000 Gegenständen. Neben Silber- und Kupferobjekten stach fein gearbeiteter Goldschmuck hervor, darunter Diademe, Ohrgehänge und Ringe. Begeistert taufte Schliemann den Fund „Der Schatz des Priamos“.
Die genauen Umstände der Entdeckung lassen sich heute nicht mehr nachvollziehen – Schliemann war der einzige Zeuge und gab später unterschiedliche Versionen des Ereignisses wieder. Hier zeigt sich eine Seite Heinrich Schliemanns, die ihn bis heute faszinierend macht: Er verstand es zu inszenieren und um Ereignisse in seinem Leben einen Mythos zu schaffen.
Aus Fehlern gelernt
Vor allem während der ersten Grabungskampagnen wirkten Schliemanns Methoden alles andere als systematisch oder wissenschaftlich. Seine Arbeiter hoben zunächst einen riesigen Graben aus, der zum Schluss stolze 79 Meter an der Oberkante maß. Durch den brutalen Eingriff wurden alle oberen Siedlungsschichten unwiederbringlich zerstört. Schliemann hatte nichts dokumentiert.
Allerdings war er damit nicht allein, denn bei vielen anderen Grabungen ging man ähnlich brachial vor. So etwa unter der Leitung Carl Humanns in Pergamon: Auch der Entdecker des Pergamonaltars beseitigte spätantike, byzantinische und arabische Bauten, ohne diese zuvor dokumentiert zu haben.
Das unsystematische Vorgehen der archäologischen Pioniere war keine böswillige Absicht, sondern beruhte vielmehr darauf, dass die Grabungsmethoden erst in ihren Anfängen lagen. „Die Prähistorische Archäologie gab es zu Schliemanns Zeit noch nicht als eigene Disziplin. Somit waren alle, die Grabungen durchführten, Amateure auf diesem Gebiet“, sagt Samida.
Zweifellos fehlte es Schliemann bei seinen ersten Grabungen an fachlicher Kompetenz. „Doch durch die wachsende Erfahrung wurde er im Lauf der Zeit mehr und mehr zum Archäologen. Auch durch seine Zusammenarbeit mit anderen Forschern wurde seine Arbeitsweise wissenschaftlicher“, stellte die Archäologin Michaela Zavadil vom Österreichischen Archäologischen Institut in Wien bei ihren Forschungen zu Schliemann fest.
Zu den Wissenschaftlern, mit denen er ein besonders gutes Verhältnis pflegte, gehörte der Arzt und Anthropologe Rudolf Virchow. Er war mehrfach auf Hissarlik, und von ihm lernte Schliemann, wie ein Naturwissenschaftler zu denken und vorzugehen. Schliemann bewies auch ein gutes Gespür, als er auf den Architekten Wilhelm Dörpfeld setzte. Der hatte zuvor auf der großangelegten Grabung von Olympia mitgearbeitet, ein Prestigeprojekt des damals neugegründeten Deutschen Reiches. Schliemann hatte ihn von dort abgeworben, so dass Dörpfeld ihm ab 1882 als Mitarbeiter auf Hissarlik zur Seite stand. Mit seinen außerordentlich guten Kenntnissen der Stratigrafie brachte Dörpfeld eine erste klare Struktur in die schwierige Schichtenabfolge des Siedlungshügels. Trotz des Altersunterschieds von 30 Jahren arbeiteten Schliemann und Dörpfeld sehr gut zusammen, und menschlich ergänzten sie sich perfekt. Die Sorgfalt und Sachlichkeit Dörpfelds erdete die Ungeduld und den Überschwang Heinrich Schliemanns.
Auch Wissenschaftler aus anderen Fächern nahmen regelmäßig an den Grabungen auf Hissarlik teil, untersuchten beispielsweise Geologie sowie Flora und Fauna der Region. Troja entwickelte sich so zu einem interdisziplinären Forschungsprojekt.
Neuartig war zudem Schliemanns Umgang mit Kleinfunden. Er konzentrierte sich besonders auf die unzähligen Tonscherben, die er bei seinen Grabungen sammelte und deren Bedeutung für die Datierung der Schichten er früh erkannte. Schliemann bewies damit ein modernes Archäologieverständnis, durch das er sich entschieden von den auf Kunstobjekte fixierten Klassischen Archäologen distanzierte.
Auch seine Publikationen wurden mit den Jahren immer wissenschaftlicher: Von ersten eher narrativ geschriebenen Reiseberichten entwickelten sie sich zu inhaltlich komplexen und aufwendig illustrierten Büchern, mit Abbildungen der Funde, Karten und Grundrissen.
Zu emotional für die Wissenschaft?
All das zeigt: Der Sonderling Schliemann war durchaus bereit, die Meinungen anderer Experten einzuholen, aus Fehlern zu lernen und seine Arbeit zu professionalisieren. Dennoch brachten die Zeitgenossen ihm weit mehr Skepsis entgegen als seinen Mitstreitern. Das lag hauptsächlich an seinen eigenwilligen Interpretationen, wie Samida erklärt: „Lediglich anhand einiger Mauerreste gleich vom ‚Skäischen Tor‘ zu sprechen oder den eben entdeckten Schatz unverzüglich dem König Priamos zuzuweisen – solche vorschnellen Deutungen warf man ihm vor.“
Allen Zeitungen voran stürzte sich das Berliner Satireblatt „Kladderadatsch“ auf dieses Thema: Hämisch prophezeiten die Schreiber, dass Schliemann wohl als nächstes das Rheingold finden würde und verballhornten seinen Namen zu Dr. Schlaumann.
Auffallend ist, wie unterschiedlich Schliemanns Taten von Land zu Land beurteilt wurden. So stand in einem britischen Journal von 1873: „Ein begeisterter Archäologe, Dr. Heinrich Schliemann, hat mehrere Jahre in Müll gegraben, den er als staubige Reste der Griechen deutete – die Ruinen des heiligen Troja.“ Das war keineswegs abwertend gemeint: Die Engländer bewunderten Schliemann dafür, dass er es allein dank Enthusiasmus und jahrelangem Wühlen geschafft hatte, im „Müll“ die Ruinen des heiligen Troja auszugraben.
In Wahrheit ein Archäologe
Selbst nach 100 Jahren Forschungsarbeit gibt es immer noch Neues über Heinrich Schliemann zu entdecken, der ein einzig-artiges schriftliches Vermächtnis hinterlassen hat. Dazu gehören nicht nur seine veröffentlichten Bücher, sondern auch viele Tagebücher, Geschäftsakten,Sprachübungshefte und Notizzettel sowie allein 60.000 Briefe. Außerdem taucht immer wieder etwas von anderer Seite auf. So kam die Archäologin Michaela Zavadil erst kürzlich in den Besitz eines Tagebuchs des österreichischen Architekten Josef Höfler.
Er schrieb es im Jahr 1882, als er gemeinsam mit Wilhelm Dörpfeld in Troja arbeitete. Diese Aufzeichnungen könnten wichtige neue Erkenntnisse zu den Grabungsmethoden auf dem Hissarlik bergen. Doch die Auswertung wird viel Zeit erfordern, wie Zavadil betont: „Nicht jede handschriftliche Quelle liest sich so flüssig wie die Seiten eines Buches.“
Schliemann polarisierte von Anfang an. „Seine Zeitgenossen hatten ein ambivalentes Verhältnis zu ihm. Allerdings hat er es ihnen auch nicht leicht gemacht, ihn sympathisch zu finden. Er war ein Außenseiter“, so Zavadil. In den wissenschaftlichen Kreisen kam die Kritik vor allem aus den Reihen der deutschen Klassischen Archäologen. So urteilte der berühmte Adolf Furtwängler, Schliemann sei ein „doch halb verrückter und konfuser Mensch, der von der eigentlichen Bedeutung seiner Ausgrabungen keine Ahnung“ habe.
Schliemann blieb immer ein einsamer Kämpfer. Nicht zuletzt lag das an dem stets privaten Charakter seiner Unternehmungen. Während viele zeitgleiche Projekte von staatlichen Behörden finanziert und unterstützt wurden – die Grabungen in Pergamon etwa von der Berliner Antikensammlung, die Ausgrabungen in Olympia von der deutschen Regierung –, führte Schliemann seine Forschungen Zeit seines Lebens auf eigene Kosten durch. Und er verantwortete auch allein die zunehmende wissenschaftliche Qualität seiner Arbeit.
Mit seinen Feldforschungen in Troja, Mykene und Tiryns wurde Schliemann zum Pionier der Prähistorischen Archäologie. Er legte in Troja erstmals vorgeschichtliche Schichten frei und dokumentierte die Funde. In Tiryns begründete er zusammen mit Wilhelm Dörpfeld die mykenische Palastforschung.
Schliemann war der Erste, von dem die Welt erfahren hat, dass es vor den klassischen Griechen dort schon bronzezeitliche Hochkulturen gab. Aufgrund dieser Leistungen war er aus heutiger Sicht ganz klar ein Archäologe.
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