Mittlerweile ist zu der Studie allerdings auch eine kritische Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie erschienen (Siehe unten).
Millionen von Menschen sind betroffen: Niedergeschlagen und antriebslos schleppen sie sich durchs Leben und in einigen Fällen führt sie die Depression sogar buchstäblich vor den Abgrund. Um die düsteren und teils lebensgefährdenden Gemütszustände zu behandeln, kommen bekanntlich neben Psychotherapien auch Medikamente zum Einsatz. Sogenannte Antidepressiva können den Hirnstoffwechsel so beeinflussen, dass ein stimmungsaufhellender Effekt eintritt. In der Hoffnung, dass die Depression nicht zurückkommt, kann die Therapie nach einem Behandlungserfolg dann wieder abgesetzt werden. Doch neben dem Verlust der stimmungsaufhellenden Wirkung ist dabei auch mit Nebenwirkungen des Absetzens zu rechnen.
Eigentlich gelten Antidepressiva zwar nicht als suchtgefährdend, denn es kommt nicht zu ausgeprägten Entzugserscheinungen oder dem Bedarf von steigenden Dosierungen wie bei anderen Substanzen. Einige Betroffene berichten aber von deutlichen Symptomen nach Beendigung der Medikamenteneinnahme. Am häufigsten wird dabei von teils starkem Schwindel, Kopfschmerzen und Schlafstörungen berichtet. Grundsätzlich gelten diese sogenannten Absetzsymptome auch als wissenschaftlich belegt. Über das tatsächliche Ausmaß und die Bedeutung dieses Aspektes besteht allerdings nach wie vor Unklarheit. „Studien kommen dabei zu teils sehr unterschiedlichen Ergebnissen“, sagt Seniorautor Christopher Baethge von der Universität zu Köln. „Nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Öffentlichkeit diskutiert sehr aktiv und manchmal auch emotional, wie häufig und schwer die Absetzsymptome nun eigentlich sind.“
Klärende Meta-Analyse
Um für mehr Klarheit zu sorgen, haben Baethge und seine Kollegen dem Thema nun eine sogenannte Meta-Analyse gewidmet: Sie haben Studien mit Bezug zu Antidepressiva-Einsatz systematisch erfasst und ausgewertet. Konkret sichteten die Forschenden mehr als 6000 Veröffentlichungen, von denen sie schließlich 79 auswählten und deren Ergebnisse statistisch neu aufbereiteten. Insgesamt umfasst ihre Meta-Analyse damit nun Daten zu rund 21.000 Personen, die zur Häufigkeit von Absetzerscheinungen befragt wurden, nachdem sie entweder ein Antidepressivum oder aber ein Placebo – ein Scheinpräparat – erhalten hatten.
Während zuvor der Anteil der von Absetzsymptomen Betroffenen teils auf bis zu über 50 Prozent eingeschätzt wurde, kam die neue Meta-Analyse nun zu einer geringeren Verbreitung: Rund 31 Prozent der mit einem wirksamen Medikament behandelten Patienten berichteten demnach von Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen und Schlafstörungen. „Unsere Auswertung zeigt, dass im Schnitt jede dritte Person nach Beendigung der Antidepressiva-Behandlung Symptome erlebt“, sagt Erst-Autor Jonathan Henssler von der Universität zu Köln. Dabei ist zudem ein einschränkender Aspekt zu beachten, berichten die Forschenden: „Wiederum nur die Hälfte dieser Symptomatik ist tatsächlich auf die Arzneimittel zurückzuführen“, so Henssler. Denn von Absetzsymptomen berichteten auch 17 Prozent derjenigen, die nur ein wirkstofffreies Placebo-Medikament erhalten hatten.





