Es handelt sich um ein persönliches und gesellschaftliches Problem von enormer Bedeutung: Alkoholkonsum kann im Extremfall zu einer körperlichen und geistigen Abhängigkeit mit fataler Zerstörungskraft für die Betroffenen und ihr Umfeld führen. Doch auch ohne Abhängigkeit kann ein überhöhter Konsum mit zahlreichen Negativeffekten verbunden sein, wie aus zahlreichen Studien hervorgeht: Übermäßiger Alkoholgenuss ist weltweit eine der wichtigsten Ursachen für Krankheiten, frühe Todesfälle und soziale Probleme.
Als Ursache für die Entwicklung von Alkoholproblem gilt eine komplizierte Mischung aus den individuellen Lebensumständen eines Menschen und seinen Veranlagungen. Der Untersuchung der genetischen Aspekte haben sich Wissenschaftler bereits zuvor gewidmet. Aus diesen Studien ging klar hervor: DAS Alkoholikergen gibt es nicht – die erblich bedingte Komponente der Neigung scheint hingegen auf einer komplexen Mischung zu basieren.
Genetischen Faktoren auf der Spur
Bisher waren der Wissenschaft zehn Risikogene im Zusammenhang mit Alkoholismus bekannt. Ein internationales Forscherteam hat sich nun auf die Suche nach weiteren Faktoren gemacht, um die Bedeutung der Genetik bei der Alkoholproblematik weiter auszuloten. Sie haben dazu eine sogenannte genomweite Assoziationsstudie durchgeführt. Das Ziel dieses Ansatzes ist es, bestimmte Formen von Genen zu identifizieren, welche gemeinsam mit einem bestimmten Merkmal auftreten. Im aktuellen Fall bedeutete das: Die Forscher wollten feststellen, welche Genvarianten bei Teilnehmern mit problematischem Alkoholkonsum häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung.
“Man muss für diese Art der Untersuchung Zugang zu einer sehr großen Menge an DNA-Material in Form der vollständigen genetischen Profile von mehreren hunderttausend Personen haben”, sagt Co-Autorin Mette Nyegaard. „In unserem Fall waren es die Daten von insgesamt 435.000 Menschen”. Sie stammen aus drei Datenbanken, die neben den genetischen Sequenzen auch detaillierte Informationen über die Gesundheit und den Lebensstil der Teilnehmer umfassen. In einigen Fällen lag ein diagnostiziertes Alkoholproblem vor. In anderen Fällen konnten die Forscher anhand von Befragungsinformationen zuordnen, welche Personen einen Alkoholkonsum aufweisen, bei dem mit psychischen, sozialen und gesundheitlichen Schäden zu rechnen ist.
Wie die Forscher berichten, zeichneten sich in den Auswertungen 29 Gene ab, die mit einem problematischen Alkoholkonsum verknüpft zu sein scheinen. 19 von ihnen sind neu, die anderen waren die zuvor bereits identifizierten und konnten somit bestätigt werden. Unter den neuen Kandidaten, befinden sich auch Gene, bei denen eine Funktion im Gehirn beziehungsweise Nervensystem naheliegt – etwa eine Erbanlage, die für die Entwicklung eines Rezeptors für den Neurotransmitter Dopamin zuständig ist. Die neu identifizierten Risikogene bieten nun neue Einblicke in die biologischen Mechanismen, die an der Entwicklung von problematischem Alkoholkonsum beteiligt sind, resümieren die Wissenschaftler.





