In der Finsternis sind Beutetiere nicht erkennbar – sie lassen sich aber hörbar machen: Fledermäuse haben sich auf diese Weise die Insekten der Nacht zur Nahrunsquelle gemacht. Statt auf ihre Augen verlassen sie sich zur Orientierung und bei der Jagd in der Dunkelheit auf ihr raffiniertes Biosonar: Sie stoßen hochfrequente Schreie aus, die vom Körper der Insekten reflektiert werden. Durch die feinen Echos können die Fledermäuse die Beutetiere dann detektieren und schließlich sogar aus der Luft schnappen.
Doch Nachtfalter sind dabei durchaus keine hilflosen Opfer: Wie bei anderen Räuber-Beute-Verhältnissen im Tierreich hat sich im Lauf der Evolution auch bei dieser besonderen Version ein strategisches Wettrüsten entwickelt. Es ist beispielsweise bekannt, dass einige Nachtfalter ein feines Gehör sowie spezielle Flugkünste entwickelt haben: Sie reagieren auf die Laute der Fledermäuse durch clevere Ausweichmanöver. Daneben gibt es auch giftige Arten, die den Fledermäusen durch feine Laute sogar gezielt kundtun: Friss mich besser nicht! Viele andere Nachtfalter scheinen allerdings keine dieser Strategien zu nutzen. Doch wie die aktuelle Studie nun zeigt, sind offenbar auch diese Arten keine hilflosen Opfer der Jäger der Nacht.
Flügelschuppen unter der Lupe
Im Fokus der Forscher um Zhiyuan Shen von der University of Bristol standen die akustischen Eigenschaften der winzigen Schuppen, mit denen die Flügel der Tag- und auch der Nachtfalter übersät sind. Diese winzigen Einheiten sind für die Farben vieler Arten verantwortlich: Raffinierte optische Merkmale lassen sie in erstaunlicher Pracht erstrahlen. Damit vermitteln die Insekten im Licht optische Botschaften und sorgen für Schreck-Effekte: Sogenannte Augenflecken sehen für Feinde aus wie ein starrendes Paar Augen.
Auch einige Nachtfalter nutzen optische Effekte, um sich während des Tages an ihren Ruheplätzen zu schützen. Die teils bizarren Merkmale ihrer Flügelschuppen ließen allerdings bereits vermuten, dass diese Gebilde weitere Funktionen erfüllen. Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher nun die Schuppenstrukturen des großen afrikanischen Nachtfalters Bunaea alcinoe genau unter die Lupe genommen.

Zunächst analysierten sie durch konfokale und rasterelektronenmikroskopische Untersuchungen die 3D-Nanostruktur der bizarr geformten Schuppen des Falters. So konnten sie bis ins Detail die komplexe Struktur erfassen. Die Schuppe besteht demnach aus zwei unterschiedlichen Schichten, die durch spezielle Verbindungseinheiten verknüpft sind. Auf der Grundlage ihrer Analysedaten entwickelten die Forscher anschließend Computermodelle der Schuppen. Sie ermöglichten Rückschlüsse auf das akustische Verhalten dieser Gebilde, erklären die Wissenschaftler.





