Eine positive Entwicklung in Sachen Gleichberechtigung deutet sich bei einer Absolventenumfrage der Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bochum an: Die befragten Frauen holten bei den Einstiegsgehältern auf und verdienten erstmals soviel wie ihre männlichen Kollegen.
Für die Umfrage hatte Professor Manfred Lösch im Juni 2001 zusammen mit Christian Gayer alle 67 “Abgänger” des Frühjahrs 2000 angeschrieben. Bei der Auswertung der 31 Rückantworten zeichnete sich ein interessantes Bild ab: Im Gegensatz zu früheren Jahren spielte das Geschlecht bei den Einstiegsgehältern der jungen Wirtschaftswissenschaftler keine Rolle mehr.
Egal, ob männlich oder weiblich, die Berufsanfänger verdienten durchschnittlich rund 73.000 Mark pro Jahr. “Das ist eine neue Entwicklung,” sagt Lösch “Bisher hatten die Frauen im Schnitt zwar die besseren Noten und studierten schneller als die Männer, im Beruf verdienten sie aber trotzdem weniger.”
Auch bei den übrigen Fragen ergaben sich kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen wie Männer bewarben sich im Schnitt sieben mal und benötigten vier Vorstellungsgespräche, um eine Stelle zu finden. Immerhin wurden 43 Prozent der Befragten ohne Wartezeiten fündig und 37 Prozent mussten ein bis drei Monate nach einem Job suchen. Die Studiendauer oder Abschlussnote spielten bei der Dauer der Bewerbungsphase keine ausschlaggebende Rolle.
Die Arbeitgeber waren an Zusatzqualifikationen wie Praxiserfahrung, EDV-Kenntnissen und Fremdsprachen interessiert. Deshalb empfahlen die Absolventen auch künftigen Studierenden Erfahrungen durch Praktika oder Berufsausbildungen zu sammeln und ein Auslandssemester einzulegen.
Der Leiter der Studie warnte jedoch davor, die Studie überzubewerten. Zwar hätten immerhin 46,3 Prozent der Angeschriebenen geantwortet, doch möglicherweise reagierten gerade Absolventen ohne Arbeitsplatz oder mit schlechten Positionen weniger häufig. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nur bedingt auf die Absolventen des Frühjahrs 2000 verallgemeinern.
Brigitte Kranz





