Die NASA unternimmt nach zwei spektakulären Misserfolgen Ende der Woche einen neuen Anlauf zur Marserkundung. Die 600 Millionen Mark teure Sonde “Mars Odyssey 2001” soll am Samstag vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus zu ihrer über sechs Monate langen Reise zum Roten Planeten starten. Die Hauptziele der Mission sind die Suche nach Wasser und nach einem geeigneten Landeplatz für künftige Missionen.
Für die amerikanische Weltraumbehörde ist die Mission kritisch. Sie kann sich nach den zwei Pleiten Ende 1999 mit den Sonden “Mars Climate Orbiter” und “Mars Polar Lander” keinen weiteren Misserfolg leisten. Beobachter schließen nicht aus, dass der US-Kongress das gesamte Marsprogramm auf Eis legen könnte, wenn es diesmal wieder einen Rückschlag geben sollte. Der stellvertretende Leiter der Mission am Jet Propulsion Labor der NASA, Jeffrey Plaut, gestand denn auch ein, “Nervosität ist vielleicht das richtige Wort für die Stimmung bei den Wissenschaftlern. Niemand will einen weiteren Misserfolg erleben.”
Schließlich hatte die NASA nach den beiden Pleiten Monate gebraucht, um sich von dem Schock zu erholen und ein neues Marsprogramm zu entwickeln. Da an den Abstürzen nicht zuletzt die Idee des “schneller, besser, billiger” schuld war, wurde das gesamte Konzept auf den Prüfstand gestellt und mehrere Projekte ganz gestrichen.
Für die Sonde “Mars Odyssey 2001”, die bereits in Grundzügen fertig gestellt war, bedeutete dies, dass noch über 140 Änderungen vorgenommen wurden, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Unter anderem wurden in die Software alle Entfernungsangaben in Metern und amerikanischen Maßeinheiten eingegeben, nachdem der Climate Orbiter 1999 abgestürzt war, weil ein Techniker Meter und Fuß verwechselt hatte.
Bei der neuen Sonde wurde deshalb an nichts gespart. Sie ist fast doppelt so teuer wie die beiden letzten Sonden zusammen. Dafür verfügt die 700 Kilogramm schwere Sonde über die modernsten wissenschaftlichen Erkundungsgeräte: einen Gammastrahlen- Spektrometer, ein Wärmestrahlendetektor (THEMIS) und einen Strahlenmonitor. Zusammen mit den Kameras an Bord lassen sich damit Spuren von Wasser auf und unter der Oberfläche entdecken. Der Strahlenmonitor kann zusätzlich Auskunft darüber geben, ob Astronauten bei einer Landung auf dem Roten Planeten mit gefährlicher Strahlung rechnen müssen.
Mehr als sechs Monate nach dem Start, am 20. Oktober, soll “Mars Odyssey 2001” ihr Ziel erreichen und den Roten Planten dann bis zum Juli 2004 genau erkunden. Sollte alles klappen, schickt die NASA im Jahr 2003 zwei identische Landeroboter zum Mars, die Anfang 2004 dort landen und ebenfalls vor allem nach Wasser und damit möglichen Spuren von Leben suchen sollen. Bis zum Jahr 2011 soll dann ein Landeroboter Bodenproben zur Erde zurückbringen.
Eine der Hauptfragen bei allen Missionen ist dabei, ob Wasser jemals auf der Oberfläche des Roten Planeten floss und damit Leben entstehen konnte. Angespornt wurden die Wissenschaftler im vergangenen Jahr durch Fotos von “relativ jungen” Rinnen, Kanälen und Deltas auf dem Mars, die den NASA-Chefwissenschaftler Ed Weiler spekulieren ließ, dass Wasser vielleicht noch “vor tausend Jahren” auf dem Mars floss.
dpa





