Das Aids-Virus grassiert noch immer. Rund 37 Millionen Menschen sind weltweit mit HIV infiziert, allein 90.000 davon in Deutschland. Für all diese Patienten gibt es inzwischen zwar wirksame Therapien, die die Infektion in Schach halten. Doch ein Heilmittel existiert nicht – eigentlich. Ein einziges Mal aber ist Medizinern die Heilung von HIV doch geglückt: Vor zehn Jahren befreiten sie den als “Berliner Patient” bekannt gewordenen Timothy Ray Brown von seinem Leiden. Er bekam damals wegen einer Leukämie-Erkrankung Blutstammzellen transplantiert, die nicht nur den Krebs bekämpfen sollten. Denn seine Ärzte nutzten Knochenmark eines Spenders, der eine Mutation namens Δ32 im Gen für den CCR5-Rezeptor trug. Das Besondere: Unter anderem diesen Rezeptor auf der Oberfläche von Immunzellen nutzt das HI-Virus als Eintrittspforte zur Infiltrierung des Immunsystems. Durch die Mutation bleibt dem Erreger dieser Weg verwehrt. Menschen, die diese Genveränderung auf beiden Allelen tragen, sind deshalb weitestgehend resistent gegen eine HIV-Infektion.
Keine Symptome mehr
Brown gilt seit zwei Stammzelltransplantationen als geheilt – und war damit bisher ein spektakulärer Einzelfall. Nun aber berichten britische Mediziner von einem zweiten Erfolg: Sie haben möglicherweise einen weiteren HIV-Betroffenen geheilt. Ravindra Gupta von den University College London Hospitals und seine Kollegen behandelten einen Patienten, der am Hodgin-Lymphom erkrankt war – einem Lymphdrüsenkrebs. Um dieses Leiden zu therapieren, versuchte es das Team ebenfalls mit einer Knochenmarktransplantation. Wie beim “Berliner Patienten” wählten sie dafür einen Spender aus, der zwei Kopien der Δ32-Mutation in seinem Erbgut trug. Vor der eigentlichen Transplantation sorgten sie mithilfe von Medikamenten dafür, dass die von Krebs befallenen Knochenmarkzellen des Empfängers abstarben. Anders als bei Brown musste sich der Patient vor dem Eingriff keiner Bestrahlung des gesamten Körpers unterziehen.
Würden die neuen Blutstammzellen den Krebs verbannen und gleichzeitig der HIV-Infektion den Garaus machen können? Es zeigte sich: Der Patient, der anonym bleiben möchte, vertrug die Transplantation insgesamt gut, auch wenn es zunächst einige Nebenwirkungen gab. Nach dem Eingriff wurde er weiter mit antiretroviralen Medikamenten gegen HIV behandelt. Nach 16 Monaten aber wagten die Mediziner den entscheidenden Schritt: Sie setzten die Medikamente, die die Infektion unterdrücken, ab. Trotz allem zeigte der Patient später keine Symptome einer HIV-Infektion. Bis heute – 18 Monate später – scheint der Transplantierte gesund zu sein. Seine weißen Blutzellen tragen nun jene Mutation, die CCR5-abhängige HI-Erreger am Eindringen hindert, wie das Team berichtet.





