Ein weiterer Grund für das Ende der Mondära war wohl auch, dass der Ansporn nicht länger vorhanden war: Die USA hatten das Rennen zu unserem Trabanten ja bereits gewonnen. Warum also weitermachen? Die internationale Raumfahrt wandte sich neuen Herausforderungen zu: Die Raketen wurden weiter verbessert, Satellitenstarts ökonomischer gemacht und zahlreiche Messgeräte, Teleskope, und wissenschaftliche Experimente in den Weltraum gebracht. Das nächste wirklich große „Ding“ folgte erst Ende der 90er-Jahre mit dem Aufbau der Internationalen Raumstation ISS.
Doch auch diese Ära nähert sich bald ihrem Ende: Das größte internationale Raumfahrtprojekt der Geschichte soll bis 2031 stillgelegt werden. Und das ergibt Sinn. Immerhin ist die ISS 25 Jahre alt, die Technologie der Geräte an Bord lange überholt, und das Material zeigt sein Alter. Zudem hat auch China jetzt eine Raumstation in der Erdumlaufbahn. Die „Tiangong“ wurde Ende 2022 fertiggestellt und hat eine Besatzung von sechs Personen. Ein separates Wissenschaftsmodul soll an Bord umfangreiche Experimente in den Bereichen Biologie und Biotechnologie ermöglichen. Außerdem können die Astronauten dort das Verhalten von Materialien und Flüssigkeiten sowie Verbrennungsvorgänge und sogar ultrakalte Atomgase untersuchen.
Die NASA besinnt sich derweil auf den Mond zurück – und zwar mit einer neuen Generation von Raumfahrzeug: Projekt „Orion“ ist seit 20 Jahren in der Planung und wird seit 2014 getestet. Die Raumfahrzeuge sind teilweise wiederbenutzbar und können sowohl bemannt als auch unbemannt zum Einsatz kommen. Orion besteht aus zwei Teilen: Einer Kapsel, in der sich die Astronauten aufhalten können, und einem Servicemodul, das Strom und Antrieb bereitstellt. Das Servicemodul für die Artemis-Mission kommt von der Europäischen Weltraumorganisation ESA und wird in Bremen von Airbus hergestellt.
Der erste, unbemannte Test – Artemis 1 – wurde Ende letzten Jahres durchgeführt. Der Start war ursprünglich für Anfang April 2022 geplant, musste aber mehrfach verschoben werden. Das lag teils an den Wetterbedingungen, aber auch an technischen Schwierigkeiten. Ein wiederkehrendes Problem ist der Treibstoff, den die NASA bereits seit den 1950er- Jahren benutzt, um Raumfahrzeuge in den Weltraum zu bringen: Wasserstoff.
Bei Raumtemperatur ist H2 gasförmig, sodass es sehr viel Platz benötigt. Um eine ausreichende Menge Wasserstoff im Raketentank unterbringen zu können, muss er daher verflüssigt werden. Dafür kühlt die NASA den Wasserstoff auf etwa –253 Grad Celsius. Erst kurz vor dem Start wird er dann durch Leitungen in die Rakete getankt. Da Wasserstoff sehr flüchtig ist, muss dieser Vorgang bis zum Ende des Countdowns fortgesetzt werden, damit der Tank voll bleibt. Dann müssen die Schläuche schnell gelöst werden.





