Schon das Eintreten in die Welt wäre beinahe misslungen. Bei der Entbindung war der Zustand der Kaiserin Marie Louise derart besorgniserregend, dass sich die Geburtshelfer nur um die Mutter kümmerten. Das Kind lag minutenlang achtlos auf dem Boden. Man glaubte es tot, bis es von einem Arzt aufgehoben wurde und einen kleinen Schrei von sich gab.
Napoléon-François-Joseph-Charles, König von Rom, wurde am 20. März 1811 geboren. Ganz Frankreich freute sich. Man gönnte Kaiser Napoleon I. den ersehnten Spross und hoffte, er werde nun, nachdem der Thron gesichert war, seinen Ehrgeiz ganz auf den Frieden richten. Nach 20 Jahren Krieg glaubte die Nation, ein Anrecht auf Ruhe zu haben.
Friedenshoffnungen hatten bereits die Heirat Napoleons mit der um 22 Jahre jüngeren österreichischen Erzherzogin Marie Louise, Tochter des Kaisers Franz, geweckt. Die letzte Niederlage Habsburgs gegen Napoleon lag gerade einmal zehn Monate zurück (Wagram, Juli 1809), da kam es zur „österreichischen Heirat“. Sie schien alle Naturgesetze auf den Kopf zu stellen. Kaiser Franz vergaß, dass ihn „das korsische Ungeheuer“ soeben noch hatte entthronen wollen. Das Oberhaupt der ehrwürdigsten Mon‧archie Europas wurde zum Schwiegervater des Schreckens aller Mon‧archen, der Sohn der Revolution zum Gatten einer Prinzessin. Die Prinzessin zog als Kaiserin in Paris ein, wo ihrer Großtante Marie Antoinette 1793 der Kopf abgeschnitten worden war. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 6/2015.
Dr. Günter Müchler




