Der Umbau zu einer konsequent ökologischen Industriegesellschaft ist machbar. Zu diesem Ergebnis kommen die Physiker Harry Lehmann und Torsten Reetz in ihrer detailreichen Analyse heutiger Energiepolitik. “SES” heißt ihre Formel für die ökologische Energiewende: “S” wie Sonnenenergie, “E” wie Effizienz-Revolution, denn die Einspar-Potentiale sind riesig, und schließlich “S” wie Suffizienz.
Den aus der Medizin entliehenen Fachbegriff vom “ausreichenden Funktionsvermögen” deuten die Autoren als bewußten Verzicht auf zumindest einen Teil des Energieluxus der Industrienationen.
Konsequenterweise richtet sich ihr Aufruf zu einem globalen Konsens deshalb keineswegs nur an die Politiker, sondern an jeden Leser, der schon heute mit seiner ganz privaten Energiewende beginnen kann.
Die Bedeutung wenig einprägsamer Zahlen vermitteln beide Autoren in mitunter humorigen Bildern: So erfährt der Leser, daß sich ein deutscher Durchschnitts-Berufspendler gleichsam mit einem ganzen Pferdegestüt zu seiner Arbeitsstätte ziehen läßt, oder daß einem Bewohner Nordamerikas – übersetzt – 220 “Energie-Sklaven” tagtäglich zwölf Stunden lang zur Verfügung stehen müssen. Weitere gängige Vergleiche aus dem Alltag, garniert mit Zukunftsreportagen und fiktiven Interviews, machen aus dem sperrigen Thema eine unterhaltsame Lektüre.
Harry Lehmann, Torsten Reetz Zukunftsenergien Birkhäuser Verlag Basel, 1995 288 S. DM 29,80
Peter Frey





