Schlaf ist für uns unverzichtbar: Unser Gehirn benötigt die Ruhepause, um Abfälle auszuschwemmen, Synapsen zu rekalibrieren und Gelerntes abzuspeichern, Muskeln und Organe brauchen diese Phase zur Regeneration. Schlafen wir dauerhaft zu wenig oder wird unser Nachtschlaf immer wieder gestört, leidet daher unsere körperliche und mentale Gesundheit. Studien zeigen, dass eine Schlafdauer unter fünf Stunden langfristig das Risiko für Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Fettleibigkeit erhöht.
17 Organsysteme und 23 verschiedene Altersuhren
Doch ein zu langer oder zu kurzer Schlaf beeinträchtigt auch unsere Organe und lässt sie vorzeitig altern, wie ein internationales Forschungsteam um Junhao Wen von der Columbia University in New York ermittelt hat. „Frühere Studien haben schon gezeigt, dass Schlaf eng mit der Alterung und Krankheitsbelastung des Gehirns verknüpft ist“, erklärt Wen. Er und sein Team haben nun erstmals umfassend untersucht, ob und in welcher Form dies auch für einzelne Organe im Rest unseres Körpers gilt.
Für ihre Studie nutzten Wen und sein Team die medizinischen Daten von rund einer halben Million Teilnehmenden der Langzeitstudie der UK Biobank. Sie werteten die durchschnittliche Schlafdauer der Testpersonen aus und bestimmten anhand von Blutwerten und organspezifischen Proteinen sowie MRT-Aufnahmen für 17 verschiedene Organsysteme das biologische Alter. Dabei nutzte das Team jeweils mehrere verschiedene „Altersuhren“. „Für die Leber gibt es beispielsweise eine Altersuhr auf Basis von Proteinen, eine für Stoffwechseldaten und eine auf Basis von Bildgebung“, erklärt Wen. „Dadurch können wir genauer sehen, wie die Schlafdauer diese Funktionen beeinflusst.“
Schlaf-Auswirkungen zeigen U-förmige Kurve
In der Auswertung zeigte sich eine auffallend U-förmige Kurve: Schliefen Studienteilnehmende dauerhaft weniger als sechs Stunden oder länger als acht Stunden, hatte dies negative Auswirkungen auf nahezu alle Organe. Systeme wie Lunge, Leber, Herz, Verdauungstrakt, Haut oder Nieren, aber auch Immunsystem, Hormonhaushalt und Stoffwechsel waren bei diesen Testpersonen vorzeitig gealtert. „Unsere Studie belegt, dass zu wenig oder zu viel Schlaf fast jedes Organ schneller altern lässt“, berichtet Wen.
Dies hat Folgen: „Ob zu kurz oder zu lang – ein gestörtes Schlafmuster ist eng mit einer breiten Palette von systemischen Erkrankungen und einem erhöhten Sterberisiko verknüpft“, schreiben die Forschenden. Dabei wirkt Schlafmangel oft direkt auf die Organsysteme. Schädlich sind dann vor allem der vermehrte physiologische Stress und eine Dysregulation der natürlichen Rhythmen. Ein zu langer Nachtschlaf hat dagegen primär Folgen für das Gehirn und führt dann indirekt über neuropsychiatrische Effekte zu körperlichen Spätfolgen, wie die Analysen ergaben.
Wie viel Schlaf ist optimal?
Nach Ansicht von Wen und seinem Team unterstreicht dies, wie wichtig die richtige Portion Schlaf für unsere Gesundheit ist. „Die Resultate zeigen erneut, dass Schlaf weitreichende molekulare und physiologische Einflüsse auf den gesamten Körper hat“, so das Team. Wichtig sei dies vor allem deshalb, weil der Nachtschlaf ein Faktor ist, den wir selbst beeinflussen können. Wer seine Organe und sein Gehirn möglichst jung erhalten möchte, der sollte demnach nachts zwischen 6,4 und 7,8 Stunden lang schlafen.
Quelle: Junhao Wen (Columbia University, New York) et al., Nature, 2026; doi: 10.1038/s41586-026-10524-5





