Forscher der Universität Heidelberg beginnen zu verstehen, wie es zu einem sogenannten Schmerzgedächtnis kommt. Arbeitsgruppen um Rohini Kuner und Hilmar Bading haben entdeckt, dass ein Kalziumüberschuss in den Nervenzellen für den Effekt verantwortlich ist. Ein Schmerzgedächtnis kann sich nach langen und starken Schmerzen entwickeln, etwa durch chronische Entzündungen oder Nervenverletzungen. Auch wenn der ursprüngliche Auslöser beseitigt ist, reichen dann oft kleine Reize aus, um den Schmerz wieder hervorzurufen. Doch welche Rolle spielt dabei das Kalzium? Es ist bekanntlich ein Universal- botenstoff, den die Nervenzellen zu jeder Weitergabe von Signalen benötigen.
Kuner und Bading haben jetzt herausgefunden, dass bei langen und heftigen Schmerzen Kalzium im Übermaß in die Zellen gelangt und dann in den Zellkern transportiert wird. Dort deaktiviert es bestimmte Gene, die normalerweise dafür sorgen, dass die Zellen im Rückenmark nur eine bestimmte Zahl von Verbindungen (Synapsen) zu anderen Nervenzellen ausbilden – auch zu solchen, die Schmerzen ans Gehirn weiterleiten. Dadurch wird die Intensität der Signalübertragung begrenzt. Wenn diese Gene blockiert sind, bilden sich mehr Synapsen, und die Zellen werden auf Dauer empfindlicher. Kuner ist überzeugt: „Diese strukturelle Veränderung der Zellkontakte kann die chronische Natur vieler Schmerzkrankheiten erklären.”





