natur: Herr Bruder, wie sieht Ihr eigenes Arbeitszeitmodell derzeit aus?
Ralf Bruder: Mein Arbeitszeitmodell ist sicherlich ein Vollzeit.-Modell.
Nehmen Sie sich bewusst Freizeit?
Für Menschen in Führungspositionen ist es manchmal schwierig, eine Grenze zu ziehen. Das erlebe ich selbst. Ich genieße völlige Freiheit und das führt dazu, dass ich mehr arbeite als ich eigentlich müsste. Aber ich habe zwei Kinder, sie sind sieben und zehn Jahre alt. Ich glaube verstanden zu haben, dass es noch andere wichtige Dinge außer der Arbeit gibt. Ich habe gewisse Spielregeln.
Nämlich?
Ich achte am Wochenende auf gemeinsame Zeiten mit meiner Familie und versuche auch in der Woche, mehrere Abende mit der Familie zu verbringen.
Wie viele Stunden arbeiten Sie durchschnittlich in der Woche?
Meine Gesamtarbeitszeit ist relativ hoch, ich arbeite mehr als 50 Stunden in der Woche. Aber ich genieße eine gewisse Flexibilität. Wenn ich auf der Arbeit bin, bin ich oft stark eingetaktet. Meine Zeitsouveränität ist relativ gering. Ich werde manchmal für Wochen von meiner Assistentin verplant. Aber da, wo ich mir selbst die Zeit einteilen kann, zum Beispiel in meiner Freizeit, ist alles in Ordnung.
Sie wirken sehr zufrieden. Aber ist es überhaupt wichtig, sich auf der Arbeit wohlzufühlen?
Für viele Menschen ist die Arbeit ein sehr wichtiger Teil ihres gesamten Lebens, schon alleine zeitlich gesehen. Und wenn das so ist, müssen sie diesen Teil auch bestmöglich gestalten. Also ja: Es ist wichtig sich auf der Arbeit wohl zu fühlen. Das Wohlfühlen bei der Arbeit hat zudem etwas mit dem eigenen gesundheitlichen Wohlbefinden zu tun.
Sind wir dann beim Thema Burnout?
Ja, wenn ich mich nicht wohlfühle, kann ich ausbrennen. Aber andersherum funktioniert es eben auch: Wenn ich aus einer Arbeit positive Elemente ziehe, dann stärkt mich das und es hält mich gesund. Deswegen sind Leute, die einen interessanten Job haben, oft Leute, die auch sehr lange gesund bleiben.
Ist es nicht auch gut für das Image von Unternehmen, wenn ihre Mitarbeiter glücklich sind?
Glückliche Mitarbeiter allein reichen nicht. Das funktioniert nur, wenn es mit wirtschaftlichem Erfolg verknüpft ist. Es ist eindeutig nachgewiesen, dass die Unternehmen am erfolgreichsten sind, in denen Kunden und Mitarbeiter zufrieden sind. Unternehmen, in denen nur die Mitarbeiter zufrieden sind, die Kunden aber nicht, sind auch nicht erfolgreich. Sie können aber ganz leicht herausfinden, dass sich Mitarbeiter ganz anders einbringen, wenn sie sich wohlfühlen. Daher ist das auch aus der wirtschaftlichen Perspektive sinnvoll.





