Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kernphysik in Heidelberg haben in Galaxien des Virgo-Haufens eine zehnmal größere Menge kosmischen Staubs entdeckt als erwartet. Die untersuchten Galaxien gelten als repräsentativ für die Mehrzahl der Galaxien im Universum. Zusammen mit ihren amerikanischen Kollegen stellen Richard Tuffs und Heinrich Völk ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal (Bd. 567, S. 221) vor.
Mit Hilfe des von Ende 1995 bis April 1998 aktiven Infrared Space Observatory der Europäischen Raumfahrtagentur ESA haben die Forscher 63 Spiral- und Zwerggalaxien des Virgo-Haufens im für das menschliche Auge unsichtbaren Infrarotlicht beobachtet. Der Virgo-Galaxienhaufen ist ein Nachbar der Lokalen Gruppe, zu der auch unsere Milchstraße gehört.
Kosmischer Staub “schluckt” einen Teil des sichtbaren Lichts und wandelt es in Infrarotstrahlung um. Aus ihren Ergebnissen schließen die Wissenschaftler, dass bis zu 50 Prozent des sichtbaren Lichts von kosmischem Staub absorbiert wird. Als Konsequenz müssen die bisherigen Schätzungen über das insgesamt von den Sternen abgestrahlte Licht nach oben korrigiert werden.
Eine weitere Überraschung lieferten Messungen des Lichts von so genannten blauen kompakten Zwerggalaxien. Das Licht dieser Galaxien wird von dem Licht junger, in blauem Licht leuchtenden Sternen dominiert. Jeder dieser Sterne leuchtet etwa zehntausendmal heller als unsere Sonne. Deshalb vermutete man, dass der Staub dieser Galaxien relativ warm sein müsse.
Stattdessen entdeckten die Forscher bei diesen Zwerggalaxien große Mengen sehr kalten Staubs ? bis hinab zu Temperaturen von minus 263 Grad Celsius. Die Wissenschaftler vermuten, dass der Staub deshalb so kalt ist, weil er sich außerhalb der Galaxien, in großer Entfernung zu den hell strahlenden Sternen, befindet. Vermutlich strömt dieser Staub gerade in die Galaxien ein und wird dort eine neue Generation von Sternen erzeugen.
Axel Tillemans





