Zedernholz war das beliebteste Bauholz für Tempel und Paläste, und es diente zum Schiffsbau. Die ägyptischen Pharaonen bezogen bereits seit etwa 2600 v. Chr. Zedernhölzer über den levantinischen Ausfuhrhafen Byblos. König Salomon orderte Zedernholz für den Bau des legendären Tempels von Jerusalem. Der as-syrische König Sanherib (705–681 v. Chr.) ist angeblich selbst zu den Zedern hinaufgestiegen, um deren größte zu fällen. Auch König Nebukadnezar II. (605–562 v. Chr.) will die Zedern für seine Bauten in Babylon mit eigenen Händen auf dem Berg Libanon geschlagen haben. Das Bauen mit Zedernholz verschaffte Prestige, der Besitz von Zedernholz bedeu‧tete Reichtum. Der Zugang zu den Zedernwäldern war so ein Machtfaktor.
Die natürlichen Bestände von Zedern beschränkten sich auf den westlichen Rand des Vorderen Orients. Sie erstreckten sich von den Bergen des Libanon und Antilibanon im Süden über das Syrische Küstengebirge (Ansariyeh-Gebirge) bis zum Amanus im Norden und fanden im südanatolischen Taurus ihre Fortsetzung nach Westen. Nach jahrtausendelanger Abholzung sind die Bestände heute bis auf wenige geschützte Parks verschwunden. Schon Alexander der Große hatte kaum mehr genügend Zedern im Libanon für den Bau seiner Schiffe gefunden.
In der altsyrischen Zeit (1900–1550 v. Chr.) teilten sich die Königtümer Syriens den Reichtum der Zedernwälder. Wer die politische Vorherrschaft über die Gebirgsränder innehatte, der konnte die Abholzung der Zedernbe-stände und ihren Abtransport kontrollieren. Die Hafenstadt Byblos besaß das Handelsmonopol an den westlichen Hängen des Libanon-Gebirges. Von hier aus wurde das Holz über das Meer nach Ägypten verschifft. Am Ostrand der Gebirge waren Qatna im Süden und Aleppo im Norden die führenden Handelszentren. Sie besaßen die Schlüsselpositionen für den Holzexport nach Mesopotamien.
So verwundert es kaum, dass die Herrscher von Qatna ihren eigenen Palast in fast verschwenderischer Weise mit Zedernholz und anderen Hölzern ausstatteten. Die riesige Audienzhalle (Halle C) muss mit mehreren zwölf Meter langen Holzträgern überspannt gewesen sein. Dies ist die Distanz zwischen den vier Säulen in der Raummitte sowie von jeder Säule zur nächstgelegenen Wand. Dadurch entstanden neun riesige Deckenquadrate, auf denen die kleineren Dachträger aufgelegt werden konnten. Der große Festsaal (Halle A) war sogar 20 Meter breit. Falls dieser mit einer einzigen Balkenlänge überspannt gewesen sein sollte, hätten dafür die größten verfügbaren Stämme aus dem Libanon-Gebirge herangeschafft werden müssen. Der König von Qatna hatte zur Zeit der Erbauung des Palastes im 18. Jahrhundert v. Chr. sicherlich die dafür notwendige politische Macht.
Von diesen Holzdecken hat sich in Qatna – wie in fast allen Palästen und Tempeln des Alten Orients – praktisch nichts mehr erhalten. Umso wertvoller ist ein außergewöhnlicher Befund im Palastbrunnen von Qatna. Hier wurde eine 1,5 Meter mächtige Ablagerung von ausgezeichnet erhaltenen Hölzern entdeckt – zumeist Zedernhölzer. Der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand ist auf die feuchte Erde tief unten im Schacht des Brunnens zurückzuführen. Dadurch wurde das Holz bestens konserviert. Es ist dies der umfangreichste Fund von Feuchtholz aus dem Alten Orient. Möglicherweise stammen die chaotisch ineinander verkeilten Balken von der eingestürzten Decke des Brunnenraumes. Die Hölzer fielen bei der Zerstörung des Palastes 15 Meter tief in den geräumigen, rechteckigen Brunnenschacht.




