Typischerweise umfasst er nur einen kurzen Abschnitt eines Musikstücks, der besonders eingängig und daher leicht wiederzuerkennen ist. Dass ein solcher Ohrwurm quasi in Dauerschleife in unserem Kopf läuft, hat viel mit den Mechanismen unseres Gedächtnisses zu tun. Denn gerade Musik prägt sich tief ein, verbindet sie doch Rhythmus, Wiederholung und Emotionen – drei Faktoren, auf die unser Gehirn besonders sensibel reagiert. Je einfacher eine solche Melodie ist, desto leichter speichert das Gehirn sie ab. Kurze, wiederholte Tonfolgen – wie bei Kinderliedern oder Pop-Refrains – sind daher besonders ohrwurmtauglich. Aber auch Songs, mit denen wir etwas Positives verbinden, etwa ein Urlaubslied oder der Hit des letzten Jazzkonzerts, lassen uns manchmal nicht los. Besonders gerne schwirren Ohrwürmer in unserem Kopf herum, wenn wir geistig unterfordert sind, etwa beim Duschen, Autofahren oder Warten an der Ampel. Unser Gehirn sucht dann automatisch nach Beschäftigung und füllt die Stille eben mit den bekannten Klängen.
Warum bestimmte Melodien stark haften bleiben und andere nicht, ist eine Frage, die Psychologen und Neurowissenschaftler seit Langem beschäftigt. Vor allem Forscher der Universität London haben sich intensiv mit dem Phänomen befasst und dabei drei wichtige Gemeinsamkeiten von Ohrwürmern entdeckt: So gut wie alle haben ein mittleres Tempo, eine eingängige Tonfolge und oft unerwartete Sprünge oder Rhythmen, die Spannung erzeugen. Oft verbinden wir mit ihnen außerdem eine bestimmte, fast immer positive Stimmung oder ein besonderes, meist erfreuliches Erlebnis.
Kann man etwas dagegen tun? Nun, es gibt ein paar Tricks, die manchmal helfen. So kann man versuchen, den lästigen Wurm dadurch zu vertreiben, dass man besonders aufmerksam einem anderen Musikstück lauscht. Auch andere Formen der Ablenkung, vor allem Tätigkeiten, die intensive Konzentration erfordern, können die nervige Musik abschalten. Fest steht jedoch, dass vor allem derjenige, der besonders krampfhaft versucht, den Ohrwurm loszuwerden, ihn meist nur noch stärker macht. Besser ist es daher, die innere Musik achselzuckend hinzunehmen – und darauf zu vertrauen, dass sie früher oder später von selbst verklingt.





