Der Regenwald im Amazonas braucht zum Überleben Nährstoffe aus der Sahara. Etwa die Hälfte des afrikanischen Düngers, nämlich 20 Millionen Tonnen Staub pro Jahr, stammt dabei aus der Bodélé-Niederung, einer kleinen Region im Norden des Tschad, berichten Forscher um Ilan Koren vom Weizmann Institut in Israel in der neuen Zeitschrift Environmental Research Letters.
Dank zweier Satelliten-Spektrometer konnten die Forscher erstmals die genaue Mange an Staub bestimmen, die an einem Tag aufgewirbelt wird. Mithhilfe des Instruments Modis (Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer) auf den Nasa-Satelliten Terra und Aqua bestimmten Koren und seine Kollegen die Zahl der Tage, an denen Staub aufgewirbelt wurde, und die Größe der Staubpakete. Mithilfe des Instrumentes MISR (Multiangle Imaging Spectroradiometer), das ebenfalls auf dem Satelliten Terra installiert ist, konnten sie außerdem die Dicke der Staubpakete bestimmen. Beide Informationen zusammen ergaben die Information darüber, wie viel Staub sich in der Luft befand.
Koren und seine Kollegen stellten fest, dass ein großer Teil des Staubs, der den Amazonas erreicht, aus der Bodélé-Niderung stammt, einer Region, die nur 0,2 Prozent der Gesamtfläche der Sahara einnimmt. Eine außergewöhnliche geografische Situation ist dafür verantwortlich, dass dort so viel Staub aufgewirbelt wird: Die Senke liegt in Windrichtung hinter zwei Gebirgszügen, dem Tibesti- und dem Ennedi-Gebirge. Die beiden Höhenzüge bilden eine Art Windkanal, durch den vor allem im Winter starke Luftzüge über die Bodélé-Niederung geleitet werden.
Den Berechnungen der Forscher zufolge muss die Windgeschwindigkeit mindestens 36 Kilometer pro Stunde betragen (Windstärke 5), damit in der Bodélé-Niederung ein Staubsturm angefacht wird. An einem stürmischen Tag werden durchschnittlich 700.000 Tonnen Staub vom Wind verweht, berichten Koren und seine Kollegen. Mit den Passatwinden wird der Wüstenstaub dann mehr als 5.000 Kilometer weit in Richtung Amerika transportiert. Insgesamt 240 Millionen Tonnen Mineraldünger liefert Afrika pro Jahr frei Haus in den süd- und mittelamerikanischen Raum. Im Sommer gelangt der Staub vor allem in die Karibik, im Winter dagegen ins Amazonasgebiet.
Ohne den Dünger aus der Sahara könnte der Amazonas nicht überleben: Die starken Regenfälle waschen im Urwald ständig Nährstoffe aus dem Boden. Etwa 50 Millionen Tonnen Mineraldünger sind Berechnungen zufolge nötig, um das empfindliche Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Etwa diese Menge gelangt jährlich aus Afrika ins Amazonas-Gebiet. Wie lange die Bodélé-Niederung schon eine zentrale Rolle beim interkontinentalen Nährstofftransport spielt, ist den Forschern zufolge unklar. Sie wollen nun genauer untersuchen, welche meteorologischen Bedingungen zusammenkommen müssen, damit der Dünger-Express funktioniert.
Ilan Koren (Weizmann Institut, Israel) et al: Environmental Research Letters, Bd. 1, Artikel 014005 Ute Kehse





