Als Uhrmacher war Schiller sichtbar begeistert von der Technik; das zeigen seine Bilder von Zügen, Kraftwerken, Brücken oder (damals) modernen Gebäuden. Aber als Bub vom Land blieb er zugleich eng mit der bäuerlichen und kleinbürgerlichen Welt verbunden, die er in besonders stimmungsvollen Aufnahmen eingefangen hat. Altstädte, die noch nicht blitzblank saniert, sondern noch wirklich alt sind; die historischen Zentren von Stuttgart, Heilbronn oder Neckarsulm, von denen der Krieg nur wenig übrig gelassen hat, eine Gänseschar vor dem Rathaus in Markgröningen, ein Straßenwart mit seinem zweirädrigen Karren bei Baiersbronn, Pferde vor einer Schmiede in Niederstetten… Besonders eindrucksvoll auch die Bilder aus Stuttgart: ein Blick vom Turm des Hauptbahnhofs auf die Königstraße, durch die damals noch Straßenbahnen fuhren, der Marktplatz mit dem neugotischen Rathaus, von dem drohend Hakenkreuzfahnen hängen, ein “Krokodil” im Ulmer Hauptbahnhof; Pferdefuhrwerke kontrastieren mit einsamen Kraftwagen auf leeren Autobahnen, die scheinbar ins Nirgendwo führen.
Ein schönes Zeitdokument, das Gerhard Stilz und der Silberburg-Verlag da ausgegraben haben!
Rezension: Uwe A. Oster




