Bei einer in-vitro Fertilisation (IVF) werden zahlreiche Embryos erzeugt, doch meist nur einer davon in die Gebärmutter der zukünftigen Mutter eingesetzt. Viele IVF-Kliniken sowie kommerzielle Unternehmen bieten vor der Implantation genetische Tests an, um den Eltern zu ermöglichen, den „besten“ Embryo auszuwählen. „Ursprünglich wurde die Präimplantationsdiagnostik zur Erkennung schwerer genetischer Erkrankungen entwickelt“, erklärt ein Team um Edmond Awad von der University of Oxford. „Inzwischen kommt sie allerdings auch zum Einsatz, um polygene Risikowerte für Erkrankungen wie Diabetes und Herzerkrankungen zu ermitteln und zum Teil sogar für nicht krankheitsbezogene Merkmale wie Geschlecht, Augenfarbe und kognitive Fähigkeiten.“
Ethische Herausforderungen
Doch mit den neuen Möglichkeiten ergeben sich auch neue etische Herausforderungen. „Zwar ermöglichen solche Techniken zukünftigen Eltern, die gesundheitlichen Aussichten ihrer zukünftigen Kinder zu verbessern, doch eröffnen sie auch die Möglichkeit, Embryonen anhand von Merkmalen auszuwählen, die über die Gesundheit hinausgehen, wie beispielsweise Intelligenz oder andere nichtmedizinische Eigenschaften, was die Gefahr historischer eugenischer Praktiken heraufbeschwört“, schreiben die Forschenden.
Werden solche Tests gängig, könnten sie zur Diskriminierung nicht-optimierter Kinder führen oder zu einer Art Zwei-Klassen-Gesellschaft. In vielen Ländern sind Untersuchungen auf nichtmedizinische Merkmale daher verboten. Auch zahlreiche Studien haben gezeigt, dass viele Menschen zwar medizinische Untersuchungen befürworten, Analysen auf mögliche Intelligenz, Aussehen oder Charaktermerkmale jedoch ablehnen. Aber wie konsistent ist diese Einstellung tatsächlich? Und wie gehen Menschen damit um, wenn sie die eigentlich nicht gewünschten Informationen doch erhalten?
Um diese Fragen zu klären, haben Awad und sein Team 1467 repräsentativ ausgewählte Erwachsene aus den USA sowie 623 Erwachsene aus China befragt. Die eine Hälfte der Teilnehmenden sollte allgemein angeben, inwieweit sie befürworten, Embryos vor der Implantation auf bestimmte Merkmale testen zu lassen – darunter Herzerkrankungen und Sehschwäche als medizinische Merkmale und ein niedriger IQ sowie eine Veranlagung zu antisozialem Verhalten als nichtmedizinische Merkmale. Die andere Hälfte der Testpersonen erhielt in einem konkreten, fiktiven Szenario die Informationen aus solchen Tests und sollte sich auf dieser Basis für einen Embryo entscheiden.





