Wolken sind größer als sie aussehen: Nach Untersuchungen israelischer und amerikanischer Wissenschaftler umsäumt ein mit dem bloßen Auge nicht erkennbarer Dunstschleier die sichtbaren weißen Wolkenteile. Dieser diffuse Übergangsbereich besteht aus kleinen Wasser- und Staubteilchen und erstreckt sich über mehrere Kilometer. Bisherige Klimamodelle schätzten die Rolle der Wolken auf das globale Klima möglicherweise falsch ein, da sie den Effekt des Schleiers nur unzureichend berücksichtigten, vermuten die Forscher.
Wolken bestehen aus Wassermolekülen, die sich an schwebenden Staubteilchen niederschlagen und den Großteil des sichtbaren Lichts reflektieren. Aus diesem Grund haben Wolken zwei sehr gegensätzliche Effekte auf das Klima: Einerseits fördern sie die Erwärmung, da sie die von der Erdoberfläche abgestrahlte Hitze absorbieren, andererseits reflektieren sie Sonnenlicht zurück in den Weltraum, so dass nur ein Teil der von der Sonne abgegebenen Strahlung tatsächlich auf der Erde ankommt.
Vorhersagen zur globalen Klimaerwärmung berücksichtigen daher immer den Bewölkungsgrad und unterscheiden zwischen wolkenfreien und bewölkten Gebieten in der Atmosphäre. Die Untersuchungen von Ilan Koren und seinen Kollegen zeigen nun, dass diese Bereiche weniger klar voneinander abgrenzbar sind als bisher angenommen, da die Wolken von einem unsichtbaren Dunstschleier umgeben sind. Der Wolkennebel ist bereits auf digitalen Fotos durch einfache Bildbearbeitungsschritte andeutungsweise zu erkennen, erklären die Forscher. Mithilfe von Satellitenbildern und Belichtungsmessern untersuchten die Meteorologen den diffusen Übergangsbereich nun genauer. Dabei fanden sie heraus, dass sich der Schleier mindestens zwanzig bis dreißig Kilometer um die Wolke herum ausbreitet und sich deutlich auf die Helligkeit auswirkt.
Der ausgedehnte Dunstschleier tritt nicht bei allen Wolkenarten auf. Bei normaler Bewölkung umfassen die zerstreuten unsichtbaren Partikel jedoch etwa zwei Drittel der Himmelsbereiche, die in den Modellen bisher als wolkenfrei eingeordnet wurden, schätzen die Wissenschaftler. Wie stark sich der Schleier tatsächlich auf das Klima auswirkt, sei noch unklar. Doch haben Klimamodelle den Effekt möglicherweise bisher deutlich unterschätzt, weshalb Modellergebnisse und Satellitenmessungen oftmals nicht übereinstimmten.
Nature, Onlinedienst Originalarbeit: Ilan Koren (Weizman-Institut Rehovot) et al.: Geophysical Research Letters, Bd. 34, L08805 ddp/wissenschaft.de ? Claudia Hilbert





