Fürsorgesysteme: Welchen Einfluss haben sie auf die Produktivität?
Deutschland liegt damit jedoch im internationalen Trend. Kaum ein Land leistet sich noch ein großzügiges Sozialsystem und die meisten Staaten haben seit den 1980er Jahren ebenfalls Kürzungen vorgenommen. Eine der ersten, die mit dem Abbau des Sozialstaats begann, war die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher, was ihr den Beinamen „Eiserne Lady“ einbrachte.
Das hat einerseits zur Konsequenz, dass der Staat für den einzelnen Menschen im Bedarfsfall weniger Geld aufwenden muss. Allerdings bergen diese Systeme die Gefahr, dass damit eine neue Gesellschaftsklasse geschaffen wird. Nicht zufällig hat sich in Deutschland die Redewendung „Ich geh harzen“ verbreitet. Einmal in dem System auf der untersten Stufe gefangen, wird es für die Betroffenen immer schwieriger, diesem wieder zu entfliehen. Der Status lastet auf ihnen wie ein Fluch.
Auf die nationale Produktivität haben diese Systeme zwei völlig konträre Auswirkungen. Einerseits geht dadurch ein Gutteil an möglicher Arbeitsleistung verloren, weil sich die Leistungsempfänger oftmals auf ihr niedriges finanzielles Niveau eingestellt haben und dadurch keinen Anreiz sehen, wieder einen Job anzunehmen. Vor allem auch deshalb, weil das gleichbedeutend mit dem Verlust unterschiedlicher Förderungen verbunden ist, die von ihnen in Anspruch genommen werden.
Auf der anderen Seite haben viele Menschen auch einfach Angst, durch einen Jobverlust in diese niedrige Klasse „abzurutschen“. Als Folge davon erklären sie sich bei Verlust ihres Arbeitsplatzes auch zur Annahme von Jobs mit niedrigeren Einkommen und „minderwertigeren“ Tätigkeiten bereit. Das sind allerdings genau jene Arbeitsplätze, die den Hartz IV Empfängern einen Ausweg aus ihrer Situation bieten könnten, nun aber anderweitig blockiert werden.
Wichtig ist jedoch auch, die Begriffe „arbeitslos“ und „nicht erwerbstätig“ nicht zu verwechseln. Bei Arbeitslosen wird davon ausgegangen, dass sie auf der Suche nach einer Beschäftigung sind. Bei nicht Erwerbstätigen hingegen handelt es sich um Personen, die aufgrund ihres Alters vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind (zum Beispiel Kinder) oder einer anderen Tätigkeit nachgehen, die jedoch nicht entlohnt wird, wie zum Beispiel der Arbeit im eigenen Haushalt oder der Ausübung eines Ehrenamtes.
Hier ist wichtig, dass die nationalen Systeme diesen Menschen die Möglichkeit bieten, sich bei einer anderen Person, beispielsweise den Eltern oder dem Ehepartner, mitversichern zu lassen. In Deutschland profitieren Ehepartner von der kostenlosen Familienversicherung über den Ehemann oder die Ehefrau über die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Diese unterliegt allerdings einer bestimmten Einkommensgrenze.





