Ein amerikanischer Planetenforscher glaubt, das Rätsel um die fehlenden Kohlenwasserstoff-Ozeane auf dem Saturnmond Titan gelöst zu haben: Es gibt sie gar nicht. Denn das in der Atmosphäre entstehende Ethan kann seiner Ansicht nach keine flüssigen Tropfen bilden, da es schon vorher von Smogpartikeln in der Gashülle abgefangen wird. Zusammen bilden der Kohlenwasserstoff und die Partikel dann eine neue Art von Staub, den der Wissenschaftler “Smust” nennt ? ein Kunstwort aus den englischen Begriffen “Smog” und “Dust” (Staub). Dieser Smust sinke auf die Oberfläche herab und bilde dort die erst im vergangenen Jahr entdeckten Riesendünen, die den Mond fast überall bedecken.
Der Titan ist der größte Mond des Saturns und der einzige in unserem Sonnensystem mit einer Atmosphäre. Sie besteht hauptsächlich aus Stickstoff und enthält wenige Prozent Methan. Wie die Oberfläche des Mondes aussieht, war lange Zeit völlig unbekannt, da sie unter einer dichten orange-braunen Dunstglocke versteckt ist. Es galt jedoch als wahrscheinlich, dass sich auf der Titanoberfläche ausgedehnte Ozeane aus Kohlenwasserstoffen, vornehmlich Ethan, befinden.
Dieses Ethan entsteht, wenn das Methan der Gashülle durch das Einwirken ultravioletter Strahlung mit anderen Bestandteilen der Atmosphäre reagiert. In sehr hohen Konzentrationen und bei sehr niedrigen Temperaturen wie auf dem Titan wird Ethan flüssig. Schätzungen zufolge müsste es bereits soviel davon auf dem Saturnmond geben, dass dieser vollständig von einem kilometertiefen Ethanozean bedeckt sein müsste. Als die Landekapsel Huygens die zusammen mit der Raumsonde Cassini zum Saturn gereist war, im Januar 2005 auf dem Titan aufsetzte, landete sie allerdings auf dem Trockenen und entdeckte auch keinerlei Hinweis auf die vermuteten Ethanozeane.
Aus Beobachtungen der Verteilung von Ethan auf Saturns Nachbarplaneten Jupiter schließt Hunten nun, dass es einen solchen Ozean wohl auch nicht gibt. Vielmehr heftet sich das Ethan seiner Ansicht nach direkt nach seiner Entstehung an die Dunstpartikel der Atmosphäre und sinkt als Feststoff zur Oberfläche. Der Forscher errechnete auch die Menge des so entstandenen Smusts, die sich seit Entstehung des Sonnensystems auf dem Titan angehäuft hat: Sie ist so groß, dass sie den Titan in einer 2,6 Kilometer dicken Schicht bedecken müsste. Hunten vermutet, dass auch die Dünen, die die Daten der Raumfähre Cassini im Sommer 2006 erkennen ließen, aus diesem Smust bestehen. Sie sind zum Teil 150 Meter hoch und Hunderte Kilometer lang. Hunten hofft nun, dass die Smustpartikel in der richtigen Komposition in Zukunft im Labor erzeugt werden können, um sie intensiv zu untersuchen.
Donald Hunten (Universität von Arizona): Nature, Bd. 443, S. 669 ddp/wissenschaft.de ? Sabine Keuter





