Die Schöpfung durch Erbrechen kann man durchaus absurd finden, dann sollte man aber gleichzeitig auch anerkennen, dass alle anderen Schöpfungsmythen der Welt auf die eine oder andere Weise ebenso absurd sind. Und angesichts der Anzahl an Kotzbrocken, die aktuell auf der Welt etwas zu sagen haben, erscheint diese Form der Schöpfung zumindest nicht unwahrscheinlicher als eine Sechstagewoche eines einzelnen Arbeiters. Vor allem aber haben sich die Menschen diese absurden Geschichten damals auch nicht aus reiner Langeweile ausgedacht, sondern weil sie von der Frage nach ihrer Herkunft fasziniert waren, genauso wie wir es heute immer noch sind. Nur dass wir mittlerweile auch die Mittel der Wissenschaft zur Verfügung haben, um sie zu beantworten.
Wie also ist das Leben auf der Erde entstanden? Die wissenschaftliche Antwort darauf lautet: Wir wissen es nicht. Natürlich haben wir das mit der Evolution herausgefunden und wissen, dass wir Menschen nicht am sechsten Tag der Schöpfung von irgendeinem Gott im Paradies nach dessen Ebenbild geschaffen wurden. Wir haben uns im Laufe von Jahrmillionen aus anderen Tieren zu dem entwickelt, was wir heute sind, und können den Weg der Evolution bis fast zu den ersten Mikroorganismen zurückverfolgen, die vor circa 3,5 Milliarden Jahren auf der Erde existiert haben. Aber wie dieses erste Leben entstanden ist, wissen wir nicht. Genau genommen wissen wir nicht einmal, ob das Leben überhaupt auf der Erde entstanden ist.
Kleine Überlebenskünstler
Im ersten Moment klingt das fast so absurd wie ein Riese, der die Sonne erbricht. Dass Mikroorganismen auf irgendeinem anderen Himmelskörper existieren könnten, ist ja noch halbwegs plausibel, denn von beiden gibt es fast unendlich viele im Universum. Und Mikroorganismen sind ja nicht sehr anspruchsvoll. Während wir schon meckern, wenn im Biergarten der letzte schattige Platz besetzt ist oder wenn es im Sommerurlaub doch einmal regnet, beschwert sich bei manchen Mikroorganismen niemand, wenn sie kilometertief im Gestein oder in kochend heißem Wasser leben müssen, ohne Licht und Sauerstoff. Aber selbst wenn anderswo im Universum Leben existiert: Wie soll es dann auf die Erde kommen? Da können Mikroorganismen noch so zäh und angepasst sein – sie sind auf jeden Fall nicht schlau genug, um sich ein Raumschiff zu bauen, mit dem sie durchs Weltall fliegen können. Aber da kommt der Schöpfer ins Spiel! Nein, kleiner Scherz. Es geht bei uns ja um Wissenschaft.
Möglicherweise brauchen die kleinen Racker aber gar keine Ingenieurskenntnisse, denn aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit können sie auch so durchs All reisen. Wenn man einen Menschen zum Beispiel in der Stratosphäre aussetzt, 40 Kilometer über dem Erdboden, dann wird er dort – in dieser Reihenfolge – fallen, ersticken, erfrieren und auf der Erde aufschlagen. Manche Bakterien hingegen können dort oben trotz Kälte und dünner Luft einfach herumschweben. Aufgrund ihres geringen Gewichts surfen sie rauf und runter. Wir wissen heute, dass Mikroorganismen in diesen Bereichen der Atmosphäre leben können. Und der Strahlungsdruck des Sonnenlichts könnte reichen, um sie noch weiter hinaus, bis ins Weltall, zu treiben. Oder sie reisen mit Asteroid-Airlines. Das Fluggerät kommt ohne fossile Brennstoffe aus, ist also klimaneutral, und nicht einmal für eine Landebahn muss Beton verbaut werden. Win-win!





