Die Oberfläche der Erde ist in ständiger Bewegung: Kontinente driften aufeinander zu oder brechen auseinander, neue Ozeane entstehen. Durch die Plattentektonik hat sich die Lage und Verteilung der Landmassen auf unserem Planeten im Laufe der Erdgeschichte stark verändert. So ähnelte Europa im in der Kreidezeit einer von warmen, flachen Meeresgebieten durchbrochenen Inselwelt. In der Zeit vor 325 bis etwa 200 Millionen Jahren waren dagegen fast alle Kontinente in einer einzigen großen Landmasse vereint, dem Urkontinent Pangäa.

Drift über geografische Breiten hinweg
Durch die Kontinentaldrift haben sich jedoch auch die Positionen von Orten in Bezug auf ihre geografische Breite im Laufe der Zeit stark verändert – mit bedeutenden Folgen. „Die geografische Breite bestimmt den Winkel der Sonneneinstrahlung und damit auch das Klima“, erklären Douwe van Hinsbergen von der Universität Utrecht in den Niederlanden und seine Kollegen. Ob an einem Ort einst tropisches oder arktisches Klima herrschte, lässt sich daher auch an seiner damaligen Lage ablesen.
Ein interaktives Online-Tool macht nun diese erdgeschichtliche Reise für jeden Ort auf der Welt direkt sichtbar. Ein Klick auf den Ort genügt und man kann ablesen, auf welchen geografischen Breiten dieser Ort in den letzten 320 Millionen Jahren gelegen hat – bis zurück in die Zeit des Urkontinents Pangäa. „Wenn Sie das nächste Mal verreisen, schauen Sie vorher auf Paleolatitude.org. Sie sehen dann, welche Reise ihr Zielort im Laufe der Jahrmillionen absolviert hat“, sagt van Hinsbergen.
Rekonstruktion in drei Schritten
Basis dieser Website ist ein von den Forschenden entwickeltes und jetzt weiter verfeinertes Paläogeografisches Modell. Für dieses rekonstruierte das Team die vergangene Lage der Kontinente und Orte in drei Schritten. Basis des ersten Schritts ist die Plattentektonik, die die Lage der Landmassen zueinander und ihre Veränderungen und Verformungen im Laufe der Zeit wiedergibt. „Doch diese Rekonstruktion muss im nächsten Schritt der korrekten geografischen Breite zugeordnet werden“, sagt Co-Autor Bram Vaes von der Universität Aix-Marseille.






