An erster Stelle der Burgenlandschaften ist der obere Mittelrhein zwischen Mainz und Koblenz zu nennen, der in geradezu idealer Weise eine Reihe von Höhen- und Niederungsburgen im mittlerweile zum Weltkulturerbe erhobenen brückenlosen Rheintal vereint. Ähnlich markant und populär sind die Burgenhäufungen in Südtirol, im Allgäu, im Breisgau oder im Neckartal. Während der Mittelgebirgsraum somit flächendeckend mit mehr oder minder gut erhaltenen Anlagen und Ruinen durchsetzt ist, stehen diesen Burgenlandschaften die vermeintlich burgenarmen Großräume der norddeutschen Tiefebene zwischen Oldenburg, Flensburg und Brandenburg gegenüber.
Die Burgenlandschaften spiegeln keineswegs die historische Wirklichkeit, sondern sind die Folge günstiger Erhaltungsbedingungen und früher touristischer Begeisterung. Erst im 19. Jahrhundert wurde etwa der Rhein „entdeckt“ und die heutige Burgenlandschaft teilweise vom Fundament auf grunderneuert. Anders verlief die Entwicklung in Brandenburg, das heute bis auf Ausnahmen wie Rabenstein, Ziesar oder Spandau weitgehend burgenlos ist. Tatsächlich gibt es hier aber mehr als 2500 urkundlich oder im Bestand nachweisbare spätmittelalterliche Anlagen, die früh- und hochmittelalterlichen slawischen Burgwälle gar nicht mitgerechnet.
Natürlich gibt es landschaftsbezogene Entwicklungen, vor allem bei der Wahl der Baumaterialien. Im natursteinarmen Norddeutschland etwa überwiegen seit der Mitte des 12. Jahrhunderts Ziegelbauten auf Feldsteinfundamenten. Nur in Einzelfällen wurde Steinmaterial über große Distanzen transportiert, so die Natursteine, auf denen der von einem dänischen Lehnsmann errichtete „Grützpott“ bei Stolpe in Brandenburg ruht: Sie kamen per Schiff über die Oder aus Dänemark. Im Mittel- und Hochgebirgsraum wurden dagegen bevorzugt örtliche Steinvorkommen genutzt; sie konnten oftmals bei der Anlage der Grabenumwehrung in einem Arbeitsgang abgebaut werden und verleihen Burgengruppen deshalb ein lokales Kolorit.
Auch hier wurde aber bei Bedarf auf ortsfremdes Material zurückgegriffen: Obwohl sich die Burg Münzenberg auf einer Basaltkuppe in der Wetterau (Hessen) erhebt, wurden wesentliche Bauteile aus dem besser formbaren Sandstein errichtet. So konnte hochwertige Bauplastik nach dem Vorbild der kaiserlichen Bauten in Frankfurt, Seligenstadt oder Gelnhausen realisiert sowie die martialische Optik von Buckelquadern genutzt werden, die aus dem harten Säulenbasalt nicht zu schlagen waren. Auffallend ist umgekehrt, wie selten man bei den Burgen des süddeutschen Sprachraums Backstein verwandte, obwohl seine Produktionsweise ausgezeichnete Gestaltungsmöglichkeiten bot – eine Eigenschaft, die auch im Gebiet des Natursteins durchaus bekannt war, wie das Ulmer Münster, der größte Backsteinbau der Welt, beweist…




