Genau diese Frage stellt sich uns heute seit dem Beginn der Corona-Pandemie immer dringlicher. Es geht diesmal nicht um politische Bewertungen, sondern um humane Einschätzungen, aber der Wunsch der Menschen ist derselbe, nämlich etwas Erfreuliches zu hören. Und wo bleibt nun das Positive?
Als ich schon nicht mehr glaubte, dass es Nachrichten dieser Art geben könnte, meldeten die Agenturen, dass sich die Lagunenstadt Venedig im besten Zustand seit Langem befindet. Seit die Kreuzfahrtschiffe wegblieben und die Touristenströme versiegten – und zwar dank Corona –, kehrten die Schwäne zurück, wurden die Gewässer so rein, dass man den sich dort tummelnden Fischen zusehen konnte, und man konnte endlich die Luft des Meeres in vollen Zügen tief einatmen. Nicht mehr der „Tod in Venedig“, dafür neues Leben an der Lagune, das nun seinen Dichter sucht. Natürlich ist mit der Corona-Krise nicht zu spaßen, und wer infiziert ist und sogar mit dem Tod rechnen muss, macht sich andere Sorgen als ein symptomfreier Autor an seinem sterilen Laptop, dessen Gedanken aber frei bleiben. Und dabei fällt ihm auf, wie sehr allgemeine Krisen oder persönliches Innehalten das menschliche Leben und seine Geschichte prägen.
Die Natur macht der Gesellschaft einmal im Jahr vor, dass die Blüten im Frühling erst nach der Winterzeit kommen. Jeder Mensch weiß, dass er auch mal eine Pause machen muss und dass die Kreativität danach neuen Schwung aufnimmt. Das Leben auf der Erde hat seine heutige Form nur erhalten, weil es vor vielen Millionen Jahren ein Massenaussterben gab, dem die Dinosaurier zum Opfer gefallen sind – die darin natürlich nichts Positives gesehen haben. Schutzimpfungen gegen Virusinfektionen gibt es, seit die Menschen nach furchtbaren Seuchen gelernt haben, sich gegen die Pocken zu wehren. Und so könnte man andere Beispiele erwähnen, die alle ihren Phönix aus der Asche steigen lassen.
Die Welt kann besser werden, wenn die Menschen ihre Chance zum Innehalten nutzen und sich nach der Erholungsphase mehr am Leben erfreuen als vorher. Ich glaube nicht, dass die Welt einfach weitermacht, wenn Corona nur noch Erinnerung ist. Ich denke, dass der derzeitige Schrecken den Menschen hilft, das Überflüssige außen zu lassen und das Positive in sich zu finden, nämlich sich selbst. Innehalten ist ein schönes Wort.





