In einer klaren Nacht hat der Vollmond eine Beleuchtungsstärke von etwa 0,1 bis 0,3 Lux – in einer typischen Straße in einem bewohnten Gebiet ist es mehr als zehnmal so hell. Das wirkt sich auf die Nachtruhe aus. Im Jahr 2016 veröffentlichten Forscher der Stanford University und der NASA die Ergebnisse von Interviews mit mehr als 15.000 Amerikanern. Die Studienteilnehmer wurden zur Länge und Qualität ihres Schlafs befragt. Die Antworten wurden dann nach Korrelationen mit der Nachtbeleuchtung vor Ort mittels Satellitendaten untersucht. Ergebnis: Menschen in Wohngebieten mit mehr Nachtbeleuchtung gehen im Durchschnitt später zu Bett und wachen später auf, und sie sind sowohl mit der Menge als auch mit der Qualität ihres Schlafes wesentlich häufiger unzufrieden.
Das mag nicht überraschend sein, aber es geht hier nicht nur um den Schlaf. Die Beeinträchtigung des Schlaf-Wach-Rhythmus bringt die innere Uhr durcheinander und erhöht womöglich das Risiko für Krankheiten wie Demenz, Depression und auch Krebs. Die Forschung steht hier noch am Anfang – denn es ist oft schwierig, Korrelation von Kausalität zu trennen.
Ufos durch Lichtverschmutzung
Ein anderer, offensichtlicher Nebeneffekt der „Lichtverschmutzung“ ist, dass am Nachthimmel nicht mehr viel zu erkennen ist – und viele Leute überrascht sind, wenn sie dann doch mal etwas sehen. Eine häufige Erklärung für Ufo-Meldungen in den USA ist der Planet Venus.
Während eines langen Stromausfalls in Los Angeles erhielt die Polizei mehrere Anrufe von Leuten, die sich Sorgen machten wegen einer seltsamen großen Wolke am Nachthimmel – der Milchstraße, wie sich herausstellte. Diese Anekdote stammt aus dem Jahr 1994. In Europa konnten im Jahre 2020 laut einer Veröffentlichung des Italienischen Instituts für Lichtverschmutzung (lightpollution.it) bereits 60 Prozent der Bevölkerung die Milchstraße bei Nacht nicht mehr sehen. In den USA sind es inzwischen sogar 78 Prozent.
Lichtverschmutzung schadet nicht nur uns, sondern auch Tieren. Insbesondere Vögel schlafen schlecht oder zu wenig, weil sie Lichtglocken über Städten mit Morgengrauen verwechseln. Schätzungen des amerikanischen Fish and Wildlife Service zufolge verenden jährlich zwischen 5 und 50 Millionen Vögel an den Folgen von Lichtverschmutzung allein in Nordamerika. Das Nachtlicht schadet auch Insekten, die vom Licht angezogen werden, und Tieren, die bei Nacht jagen und wegen des Lichts erfolglos bleiben.
Jedes Jahr steigt der Anteil der bei Nacht beleuchteten Gebiete weltweit um 2,2 Prozent, und die Lichtstärke dort nimmt ebenso jedes Jahr um 2,2 Prozent zu. Aus diesem Grund müssen neue Teleskope schon seit Jahrzehnten in dünn besiedelten Gebieten errichtet werden, etwa in Wüsten oder auf Inseln.





