David Arnold Friedrich Brock-haus, so sein Taufname, wurde am 4. Mai 1772 in dem damals kaum 4?000 Einwohner zählenden westfälischen Städtchen Dortmund geboren. Unter den Vorfahren hatten mehrere Generationen geistliche, aber auch schon gewerbliche Berufe ausgeübt. Mit 16 Jahren verließ Brockhaus nach dem Besuch des Gymnasiums auf Geheiß seines Vaters die Heimatstadt, um in Düsseldorf den Beruf des Kaufmanns zu erlernen. Der weitere Weg führte ihn 1793/94 zunächst nach Leipzig, wo er mit finanzieller Unterstützung des Vaters einige Vorlesungen an der dortigen Universität besuchte. Schon damals erhielt er einen ersten Eindruck von der großen Bedeutung des Leipziger Buchhandels. Im Jahr 1796 machte er sich im Geschäft mit englischen Manufakturwaren selbständig. Dieser Versuch scheiterte kläglich. Er zerstritt sich mit Teilha?bern und beendete sein Engagement auf diesem Gebiet bald.
1802 siedelte er, inzwischen glücklich mit der Tochter eines angesehenen Senators und Professors verheiratet – Sophie Wilhelmine Arnoldine Beurhaus –, nach Amsterdam über. Da ihm dort als Ausländer die Aufnahme in die lokale Buchhändler-Gilde und damit das Führen einer eigenen Buchhandlung verwehrt war, gewann er den Buchdrucker J. G. Rohloff als Strohmann und Namensgeber für sein Unternehmen. Entgegen seiner Absicht, den Import- und Export-Buchhandel „sehr im Kleinen [zu betreiben], und weniger um selbst etwas zu produciren“, widmete sich Brockhaus bald auch verlegerischen Plänen.
Die Hinwendung zum Buchhandel brachte den Jungunternehmer erneut in die Nähe der Buchstadt Leipzig. Im Herbst 1808 reiste er zur Michaelismesse an. Ohne daß er selbst die künftige Tragweite für seine Firma voll erkannt haben dürfte, tätigte er während dieser Messe einen Vertragsabschluß, der zum Grundstein und zum Rückgrat der Firma wurde. Für die damals stolze Kaufsumme von 1800 Talern erwarb er die Rechte und die Lagervorräte des 1796 von den Leipzigern Renatus Gotthelf Löbel und Christian Wilhelm Franke begründeten „Conversationslexikons mit vorzüglicher Rücksicht auf die gegenwärtigen Zeiten“. Das Werk galt als Problemfall, denn es war, bestehend aus sechs Teilen, durch einige Verlegerhände gegangen und dennoch Torso geblieben. Brockhaus fand sofort Gefallen an der Idee, ein Nachschlagewerk zur Konversation zu verlegen, und er war fest entschlossen, die noch fehlenden Bände in wenigen Jahren vorzulegen. Der rasche Abverkauf der ersten Auflage und die ungebrochene Nachfrage nach weiteren Ausgaben gaben Brockhaus recht. Das Lexikon entwickelte sich zu einem Bestseller und brachte dem Unternehmen neben finanzieller Konsolidierung einen guten Ruf in der Leserwelt und in der Branche ein.
Auffallend blieb auch in der Folge Brockhaus’ Bemühen, mit dem Verlagsprogramm so aktuell wie möglich zu sein. Brockhaus war ein charismatischer Verleger, der sich nicht scheute, vor der Öffentlichkeit seine Meinung zu bekunden. Bereits in Amsterdam initiierte er 1806 ein dreimal wöchentlich erscheinendes politisch-literarisches Blatt namens „De Ster“ („Der Stern“). Neben Rezensionen enthielt es Erörterungen über die politische Lage Europas. Die Zeitung veröffentlichte Kritisches und zog so den Unmut der französischen Besatzer auf sich. Noch im Jahr ihres Erscheinens wurde sie verboten.




