Die Zahl der schweren Hurrikane über dem Nord- atlantik hat seit Mitte der Neunzigerjahre deutlich zugenommen. Höhepunkt bisher war das Jahr 2005, als insgesamt sieben tropische Wirbelstürme der höchsten Kategorien drei bis fünf (Windgeschwindigkeiten über 178 Kilometer pro Stunde) über die Karibik und die Golfküste der USA tobten. Ende August 2005 verwüstete der Wirbelsturm Katrina New Orleans und forderte rund 1800 Tote. Im Mittel fegten seit 1995 etwa vier starke Hurrikane pro Jahr über den Nordatlantik. Davor waren es nur ungefähr zwei. Manche Wissenschaftler sehen darin eine Folge der Klimaerwärmung. Dem widersprechen jetzt schwedische Forscher um Johan Nyberg vom staatlichen geologischen Dienst in Uppsala.
Nyberg hat die Häufigkeit der Hurrikane in den letzten 275 Jahren untersucht. Das Problem dabei war, dass es vor 1944 keine verlässlichen Daten über den Nordatlantik gibt und Satellitenaufzeichnungen erst ab 1966 zur Verfügung stehen. Nyberg behalf sich mit einem Trick: Er analysierte auf dem Meeresboden der Karibik Korallen und Plankton-Sedimente. Aus deren Strukturen lassen sich Schlüsse auf zwei Parameter ziehen, die für die Entstehung von Hurrikanen bedeutsam sind: die Temperatur der oberen Wasserschichten und die Windverhältnisse. Mehr Wachstum lässt auf höhere Temperaturen schließen, weniger Sedimente sprechen für stärkeren Wind. Es gilt: Je wärmer das Wasser ist, desto mehr Stürme gibt es. Doch vor allem die vertikale Windscherung – die Differenz der Windstärke in unterschiedlich hohen Luftschichten – beeinflusst die Entstehung der Wirbelstürme. Ist sie groß, behindert das die Bildung starker Wirbelwinde.
Aus den gewonnenen Daten las Nyberg ab, wie oft Wirbelstürme seit 1730 auftraten. Es zeigte sich, dass im Mittel pro Jahr durchschnittlich dreieinhalb gewaltige Hurrikane tobten. Es gab aber auch immer wieder ruhigere Zeiten mit nur ein bis zwei Stürmen im Jahr. Eine ungewöhnlich lange Pause fand Nyberg zwischen 1971 und 1994. Sein Schluss: „Was wir in den letzten Jahren erlebt haben, ist nur die Rückkehr zur Normalität – und keine Reaktion auf steigende Erdtemperaturen.”





