Der australische Zoologe kämpft mit handfesten Informationen gegen das Klischee. Sein Buch unterscheidet sich von den unzähligen anderen über dieses Thema vor allem durch die erstaunliche Aktualität. Die meisten zitierten Forschungsergebnisse stammen aus den vergangenen drei, vier Jahren. Flannery hat die trockenen Fakten spannend und gut lesbar aufbereitet. Im Dschungel der Daten behält er den Überblick und bringt alle Details in einen leicht verständlichen Zusammenhang.
Doch Vorsicht: Beim Lesen kann einem angst und bange werden. In den kommenden Jahren, davon ist Flannery überzeugt, “wird der Klimawandel alle anderen Probleme verdrängen”. Der Wandel hat längst begonnen: Die Temperaturen steigen, das Polareis schmilzt, der Meeresspiegel steigt, Dürren, Stürme und Überschwemmungen nehmen an Stärke und Zahl zu …
Das alles ist zwar nicht neu, aber die aktuellen Untersuchungen lassen befürchten, dass sich die Erde rascher und tiefgreifender verändert, als die Forscher bisher dachten. Flannery sieht zwar in manchen Details düsterer in die Zukunft als viele Experten. So prophezeit er ein Erlahmen des Golfstroms noch in diesem Jahrhundert. Aber er belegt seine Schlussfolgerungen überzeugend.
Fest steht: Flannery will Politik machen. Sehr verärgert ist er, dass ausgerechnet sein Heimatland Australien das Kyoto-Abkommen nicht ratifiziert hat und den Klimaforschern im Land einen Maulkorb verpasst hat, wie er behauptet. Aber er fordert die Leser auch auf, selbst aktiv zu werden zum Beispiel durch den Kauf eines spritsparenden Autos. Wenn nicht bald etwas geschieht, befürchtet er, sei eine “Kohlenstoff-Diktatur” die Folge. Dann werde ein autoritäres Weltregime mit Daumenschrauben dafür sorgen, dass die Kohlendioxid-Emissionen heruntergefahren werden.
Klaus Jacob





