Das Gespräch führte THORSTEN DAMBECK
BDW: Was kann die Klimaforschung im Eis des Südpols lernen?
Frank Wilhelms: Es geht um die vergangenen Klimata unserer Erde. Mit dem Schnee, der in Grönland oder in der Antarktis fällt, gelangen auch Jahr für Jahr Informationen über das frühere Klima in den Eisschild. So entsteht eine Art Archiv. Mit speziellen Messungen lassen sich diese Klimadaten auch Millionen Jahre später noch entschlüsseln – vorausgesetzt man bohrt das Eis an.
Im Jahr 2025 beendeten Sie eine Bohrung auf dem antarktischen Hochplateau. Worum ging es dabei?
Für solche Tiefbohrungen muss man erst einmal eine Station vor Ort aufbauen. Unser Bohrcamp ist knapp 40 Kilometer von der französisch-italienischen Concordia-Station entfernt. Drei Jahre lang, immer während der antarktischen Sommermonate, haben wir dort das Eis angebohrt. Im Januar vergangenen Jahres war schließlich der Felsgrund erreicht. Der Bohrkern ist fast drei Kilometer lang, naturgemäß ist ganz unten das älteste Eis. Es könnte in ein paar Jahren übrigens noch einmal ein paralleler Kern gebohrt werden. Das Camp ist zwar teilweise abgebaut, aber im Prinzip noch da, um mit einer etwas kleineren Gruppe vor Ort zu arbeiten.
Was versprechen Sie sich davon?

Wir wollen damit unter anderem klären, wieso die Periode der Eiszeiten vor 900.000 bis 1,2 Millionen Jahren von einem 41.000-Jahre-Rhythmus zum aktuellen Rhythmus von 100.000 Jahren wechselte und welche Einflussgrößen dies bewirkten. Im Eis sind ja auch Bläschen der damaligen Luft eingeschlossen, in rund 100 Meter Tiefe haben beispielsweise die mit Gas gefüllten Poren einen Volumenanteil von etwa neun Prozent. Wir können deshalb die Konzentration der Treibhausgase in dem fraglichen Zeitraum ermitteln. Dabei erreichen wir eine Zeitauflösung von unter 1.000 Jahren.
In den vergangenen 800.000 Jahren wechselten sich mehrere Eiszeiten mit Warmzeiten ab, wobei die Kohlendioxid-Konzentrationen um rund 0,01 Prozent variierten. Spielt die Konzentration der Treibhausgase auch bei dem Rhythmuswechsel eine Rolle?






