Dieser Übersetzungsfehler entwickelte ein Eigenleben. Andere Astronomen bestätigten die Kanäle, obwohl mit den damaligen Teleskopen Oberflächenstrukturen kaum erahnt werden konnten. Um 1900 veröffentlichte der amerikanische Astronom Percival Lowell drei Bücher, in denen er die Hypothese vertrat, dass die Kanäle von einer intelligenten Zivilisation zur Bewässerung angelegt worden seien. Die Idee, dass es auf dem Mars einmal Leben gegeben hat oder vielleicht sogar noch gibt, hielt sich hartnäckig bis zum Jahr 1965, als die amerikanische Raumsonde Mariner 4 am Mars vorbeiflog. Als sie die ersten Fotos von der Oberfläche des Planeten zur Erde sandte, waren darauf zwar Krater zu sehen, aber keine Kanäle.
Kleine grüne Männer
Doch die Freunde von Außerirdischen mussten nicht lange trauern. Schon 1967 gab ihnen die irische Astrophysikerin Jocelyn Bell Burnell neue Hoffnung. Ihr war aufgefallen, dass das Radioteleskop in Cambridge, an dem sie arbeitete, ein regelmäßig wiederkehrendes Signal auffing. Es pulsierte mit einer Periode von etwas mehr als einer Sekunde. „LGM“ notierte sie auf dem Papier neben der Messkurve – für „Little Green Men“. Die kleinen grünen Männer waren ein Witz, aber da Astrophysiker zu der Zeit keine natürliche Erklärung für Bell Burnells Beobachtung kannten, war ein intelligenter Ursprung nicht völlig von der Hand zu weisen. Doch nach einigen Jahren weiterer Untersuchungen war klar, dass das Signal von einem rotierenden Neutronenstern kam. Solche Sterne, die heute „Pulsare“ heißen, können starke magnetische Felder aufbauen, die dann elektromagnetische Strahlung aussenden. Wir empfangen die Strahlung nur, falls sie gerade in unsere Richtung zeigt, daher die Periodizität.
1996 hatte dann die Idee vom Leben auf dem Mars ein kurzes Comeback. Damals entdeckte eine Gruppe Amerikaner einen Meteoriten in der Antarktis, der Spuren von Bakterien zu tragen schien. Der etwa zwei Kilogramm schwere Meteorit war vermutlich vor etwa vier Milliarden Jahren durch den Einschlag eines größeren Meteoriten von der Marsoberfläche abgesprengt und in Richtung Erde katapultiert worden. Andere Wissenschaftler bestätigten, dass der Brocken vermutlich vom Mars stammte, kamen aber zu dem Schluss, dass die Strukturen im Gestein zu klein waren, um bakteriellen Ursprungs zu sein.
Im Jahr 2015 fand das Kepler-Teleskop einen Stern, dessen Helligkeit sich unregelmäßig änderte. Offiziell heißt der Stern KIC 8462852, inoffiziell trug er für einige Zeit den Namen WTF. Das steht für „Where’s the flux?“ („Wo ist der (Energie)fluss?“). Durchgesetzt hat sich aber die Bezeichnung „Tabbys Stern“, nach dem Vornamen der Entdeckerin Tabetha Boyajian. Für sein seltsames Verhalten gab es erstmal keine gute Erklärung. Prompt behauptete eine Gruppe von Forschern der University of Pennsylvania, USA, dahinter steckten Außerirdische, die eine Megastruktur gebaut hätten. Der Physiker Freeman Dyson hatte schon in den 1960er-Jahren spekuliert, dass technologisch hochentwickelte fremde Zivilisationen ihrer Sonne direkt Energie abgreifen und dazu eine Sphäre um den Stern bauen würden. Eine solche Konstruktion würde zu einer merkbar verringerten Energieabstrahlung führen.





