Ziel jeder Impfung ist die Bildung von langlebigen Gedächtniszellen, die bei einer späteren Infektion mit dem glei-chen Erreger die natürliche Abwehrreaktion schneller und stärker in Gang setzen, als es ohne Impfung möglich wäre. Tests mit Mäusen haben gezeigt, dass deren Gedächtniszellen ein ganzes Mäuseleben, also rund zwei Jahre lang, erhalten bleiben können. Wie lange diese Zellen beim Menschen bestehen, ist nicht bekannt. Um die Immunität gegen einen Erreger zu testen, bestimmt man daher, wie viele spezifische Antikörper im Blut sind. Dieser Test ist aber nur eine „Laborkrücke”. Er gibt nicht für jeden Impfstoff aussagekräftige Ergebnisse.
Aus der Erfahrung bei Tier und Mensch weiß man, dass die vor vielen Jahrzehnten entwickelten Impfungen mit lebenden, aber abgeschwächten Erregern – etwa beim Mumps-Masern-Röteln-Impfstoff – das immunologische Gedächtnis besser ankurbeln als Impfungen mit toten Erregern oder mit Bestandteilen von Erregern (Spaltimpfstoffe). Der Grund ist, dass lebende Viren viele verschiedene Moleküle und Molekülmuster enthalten, die über verschiedene Wege das Immunsystem erheblich stärker alarmieren als Spaltimpfstoffe, die ja nur aus einem oder wenigen viralen Molekülen bestehen. Deshalb impft man etwa gegen Masern-Mumps-Röteln nur zweimal kurz hintereinander – mit der zweiten Impfung immunisiert man auch die Impfversager –, während der Tot-Impfstoff gegen Diphtherie und Tetanus alle zehn Jahre erneut gespritzt werden muss, da es hier keinen Lebend-Impfstoff gibt.





