Jeden Tag verliert unser Körper beträchtliche Mengen an Wasser. Verbreiteten Durchschnittswerten zufolge scheidet ein erwachsener Mensch durch Urin, Atmung und Haut rund zwei bis drei Liter am Tag aus – und muss die entsprechende Menge an Flüssigkeit ersetzen. Einen Teil davon nehmen wir durch unsere Nahrung zu uns, den Rest trinken wir. Die bisherigen Durchschnittwerte zum Wasserumsatz stützen sich vor allem auf Berichte von Freiwilligen, die ihren Wasser- und Nahrungsmittelkonsum protokollierten. Objektive Erhebungen fehlten dagegen bislang. Wie viel Wasser unser Körper also tatsächlich täglich verbraucht, war unbekannt.
Objektive Messung
Ein Team um Yosuke Yamada vom japanischen Nationalen Institut für Gesundheit und Ernährung in Tokio hat nun bei über 5600 Menschen aus 26 Ländern weltweit gemessen, wie viel Wasser ihr Körper am Tag umsetzt. Die Probanden waren zwischen acht Tagen und 96 Jahren alt und lebten unter sehr unterschiedlichen Bedingungen. Einige stammten aus Industrienationen, verbrachten den größten Teil des Tages am Schreibtisch und hatten Zugang zu sauberem Wasser wann immer sie wollten. Andere lebten in wenig entwickelten Ländern, arbeiteten viele Stunden am Tag auf dem Feld und hatten nicht immer Zugang zu Trinkwasser.
Statt sich auf potenziell verzerrte Selbstauskünfte zur Flüssigkeitsaufnahme zu verlassen, nutzten Yamada und sein Team eine objektive Messmethode, um den Wasserumsatz des Körpers zu bestimmen: Zu Beginn des Versuchs gaben sie allen Probanden 100 Milliliter Wasser zu trinken, das sie mit dem Wasserstoffisotop Deuterium angereichert hatten. Da Deuterium ein anderes Atomgewicht hat als normale Wasserstoffatome, lässt es sich in Proben identifizieren. „Wenn man die Geschwindigkeit misst, mit der eine Person diese stabilen Isotope im Laufe einer Woche über den Urin ausscheidet, kann man anhand des Wasserstoffisotops feststellen, wie viel Wasser ihr Körper ersetzt“, erklärt Co-Autor Dale Schoeller von der University of Wisconsin in Madison.
Breit gestreute Durchschnittswerte
Zusätzlich erhoben die Forscher zahlreiche weitere Einflussfaktoren, darunter Alter, Geschlecht, Gewicht und Sportlichkeit der Probanden, Umweltfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Höhenlage, sowie den Human Develepment Index der Vereinten Nationen. Dabei handelt es sich um ein zusammengesetztes Maß für Lebenserwartung, Schulbildung und wirtschaftliche Faktoren in einem Land.





